Ich habe einen Traum (2)

10.11.2014

Liebe Freunde,
gestern hat unsere Bundeskanzlerin in ihrer Rede zum 25. Jahrestag des Mauerfalls darauf hingewiesen, dass es noch viele Mauern gäbe, die man einreißen müsse. Sie forderte weitere Lehren aus der Vergangenheit. Weitere Mauern könnten eingerissen werden, sagte sie - "Mauern der Diktatur, der Gewalt, der Ideologien, der Feindschaften". Da will ich Ihnen endlich mal gerne zustimmen.
Und am besten fangen Sie doch schon mal an, die neue Mauer einzureißen, die Europa umgibt, Frau Merkel!
An den Zäunen, Sicherheitsanlagen, Barrikaden, mit denen der Kontinent sich vor den Flüchtlingen der Welt schützen will, sterben wieder Menschen. Die neuen Stacheldrahtmauern Bulgariens und Griechenlands wurden rechtswidrig unter Bruch des internationalen Völkerrechts auf europäischen Boden gebaut. Das deutsche Gedenken an die Mauer, das angesichts vieler Veranstaltungen an Gedankenlosigkeit grenzt, will nicht erinnert werden an die Realität etwa des Flüchtlings-Hotspots Melilla, wo sich Nacht für Nacht Hunderte von Afrikanern voller Verzweiflung auf das 7 Meter hohe und kilometerlange Ungetüm aus Stacheldraht werfen.
Philipp Ruch, der künstlerische Leiter vom „Zentrum für Politische Schönheit“, schreibt:
„25 Jahre nach dem deutschen Mauerfall sind Europas Grenzen dicht. Zehntausende Menschen ertrinken, dehydrieren und kentern an Europas Außenmauern. Flüchtlinge klammern sich unter Radachsen, um nach Europa zu gelangen. Während sich Politiker aller Parteien am 9. November in den Armen liegen und das Ende der mörderischen innerdeutschen Mauer feiern, haben sie die viel mörderischeren Außenmauern Europas finanziert.“
„Ja, ich hab einen Traum von einer Welt
und ich träume ihn nicht mehr still:
es ist eine grenzenlose Welt
in der ich leben will.“
Das ist die letzte Strophe meines Liedes „Ich habe einen Traum“ - und noch einmal gebe ich Ihnen Recht Frau Merkel: „Träume können wahr werden“ sagten Sie in Ihrer Rede.
Davon bin auch ich überzeugt - auch wenn wir sicher unterschiedliche Träume haben.
P.S.:
Eine begrüßenswerte Aktion des Zentrums für Politische Schönheit findet ihr hier:
https://www.indiegogo.com/projects/erster-europaischer-mauerfall

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