Ich habe einen Traum

26.10.2014

Liebe Freunde,
vielen Dank für die vielen Liedvorschläge für meine Herbsttournee. Sicher kann ich nicht alle berücksichtigen, aber viele Wünsche werde ich gerne in mein Programm aufnehmen.
Zwei Texte der neuen Gedichte, die ich im August geschrieben habe, habe ich euch hier schon vorgestellt. Nun möchte ich euch noch ein Lied vorstellen, das wir ab November spielen werden. Es heißt: „Ich habe einen Traum“ und der Titel ist natürlich inspiriert von der Rede Martin Luther Kings vom 28. August 1963 in Washington, D.C. vor dem Lincoln Memorial.
„Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können“ heißt es in dieser unvergesslichen Rede und vom Zusammensitzen, miteinander Tanzen, Lachen und Singen handelt auch dieser Text.
Rilke schrieb einmal:
Der erscheint mir als der Größte
der zu keiner Fahne schwört
und, weil er vom Teil sich löste,
nun der ganzen Welt gehört…
Ich möchte diese vier Zeilen gerne meinem Text als Motto voranzustellen.
Mit der Musik werde ich euch hoffentlich positiv überraschen können….

Ich habe einen Traum

Ich hab einen Traum, wir öffnen die Grenzen
und lassen alle herein,
alle die fliehen vor Hunger und Mord,
und wir lassen keinen allein.

Wir nehmen sie auf in unserem Haus
und sie essen von unserem Brot,
und wir singen und sie erzählen von sich
und wir teilen gemeinsam die Not

und den Wein und das wenige was wir haben,
denn die Armen teilen gern,
und die Reichen sehen traurig zu -
denn zu geben ist ihnen meist fern

Ja wir teilen, und geben vom Überfluss
es geht uns doch viel zu gut,
und was wir bekommen, ist tausendmal mehr:
und es macht uns unendlich Mut.

Ihre Kinder werden unsere sein,
keine Hautfarbe und kein Zaun,
keine menschenverachtende Ideologie
trennt uns von diesem Traum.

Vielleicht wird es eng. Wir rücken zusammen,
versenken die Waffen im Meer,
wir reden und singen und tanzen und lachen,
und das Herz ist uns nicht mehr schwer.

Denn wir haben es doch immer geahnt
und wollten es nur nicht wissen:
was wir im Überfluss haben, das müssen
andere schmerzlich vermissen.

Ja wir teilen, und geben vom Überfluss,
es geht uns doch viel zu gut.
Und was wir bekommen ist tausendmal mehr
und es macht uns unendlich Mut

Und die Mörderbanden aller Armeen,
gottgesandt oder Nationalisten,
erwärmen sich an unsren Ideen
und ahnen, was sie vermissten.

Ja ich weiß, es ist eine kühne Idee
und viele werden jetzt hetzen:
ist ja ganz nett, doch viel zu naiv,
und letztlich nicht umzusetzen.

Doch ich bleibe dabei, denn wird ein Traum
geträumt von unzähligen Wesen,
dann wird an seiner zärtlichen Kraft
das Weltbild neu genesen.

Ja, ich hab einen Traum von einer Welt
und ich träume ihn nicht mehr still:
es ist eine grenzenlose Welt
in der ich leben will.

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