Es ist richtig schön, für euch zu musizieren.

11.08.2014

Liebe Freunde,
über zwei Jahre waren wir nun mit "Wut und Zärtlichkeit" unterwegs und es waren ereignisreiche und bewegende Jahre.
Dank an unsere hervorragende Crew, an Jo Barnikel, den musikalischen Fels in der Brandung und an all die anderen Musiker mit denen ich bei diesem Programm auf der Bühne stehen durfte.
Manche, wie Jens Fischer, waren sehr oft dabei, andere sind für kurze Zeit eingesprungen und immer war es eine Bereicherung für mich, mit diesen oft so unterschiedlichen, aber immer großartigen Musikanten zu musizieren.
Spannend war für uns zu erleben, dass uns die Songs nie langweilig wurden, dass wir sie immer wieder verändert, manchmal auch noch verfeinert haben und speziell für mich war es eine große Freude zu sehen, dass alle immer richtig Lust hatten zu spielen. Auch wenn es geregnet hat, gestürmt, wenn die technischen Voraussetzungen nicht optimal, die Garderobenbehaglichkeit eher dürftig war, egal ob jemand kränkelte oder gar richtig krank war - wir spielten und wir alle freuten uns auf jedes Konzert und auf unser wirklich grandioses Publikum.
Der große Cellist Pablo Casals war es wohl, der sagte: "Es ist nicht unbedingt der Applaus - es ist die Stille, die den Künstler ehrt."
Und für diese stillen Momente bedanke ich mich bei euch von Herzen. (Zugegeben, ein bisschen seltsam berührt wäre ich schon, wenn niemand mehr applaudieren würde...)
Es ist ja nicht mehr so leicht wie vor dreißig Jahren, ein Publikum intellektuell und mit Poesie zu fordern, in einer Zeit in der viele gewohnt sind, schnell das Programm zu wechseln, wenn es zu anstrengend wird, zu sehr in die Tiefe geht.
Und ich bedanke mich bei euch, dass ihr auch viele zornige, wütende Gefühle teilt, und ich weiß, dass sich viele von euch - jeder auf seinem Gebiet - für eine Welt mit mehr Mitgefühl für die Unterdrückten, sozial Benachteiligten und seitlich Umgeknickten bemühen und in die Tat umsetzen, was ich manchmal nur besinge.
Wir, mein Publikum und ich, sind gewiss nicht immer derselben Meinung, das wäre auch verdächtig.
Aber ich glaube, uns eint meist die gleiche Sehnsucht.
Das Programm Wut und Zärtlichkeit endete auf der Naturbühne Burg Wilhelmstein bei Aachen, an einem warmen und weichen Sommerabend. Und mir wurde wieder mal schmerzlich bewusst, dass nichts bleibt und sich hält, wie ich es in meinem Lied Schwanengesang jeden Abend gesungen habe.
"Sterben und wieder Auferstehen
ist das Wesen der Welt..."
Nun gestatte ich mir einfach wieder zu schlendern und werde mich dann in aller Ruhe auf "40 Jahre Wahnsinn" vorbereiten, unsere Herbsttournee, die mein bisheriges Bühnenleben Revue passieren lassen soll.
Ich würde euch auf diese Reise gern wieder mitnehmen.
Denn es ist richtig schön, für euch zu musizieren.

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