Keine Waffen. Nirgendwohin.

23.08.2014

Am 20. März 2003 begann unter Führung der USA der Einmarsch ausländischer Truppen in den Irak. Der Angriff auf Irak und die Besatzung durch die USA haben einer halben Million Iraker das Leben gekostet, sagt eine US-Studie.
500 000 IrakerInnen sind ermordet worden - aus humanitären Gründen.
Sie sollten ja von einer Diktatur befreit werden.
Befreite Tote?
Macht es eigentlich für einen Ermordeten einen Unterschied, ob er durch „gute“ Mörder eines demokratischen Staates zu Tode kam, oder durch böse fanatische Terroristen?
Macht es für einen Gefangenen einen Unterschied ob man ihn heimlich foltern lässt, wie Obama es jetzt zugegeben hat, oder öffentlich?
Wer wie ich und viele meiner Freunde vor Kriegsbeginn es gewagt hatte, den Krieg und das Vorgehen der USA zu kritisieren, wurde als antiamerikanischer Verschwörungstheoretiker und als Saddam Hussein - Versteher verunglimpft.
Heute weiß man, dass George W. Bush mehrere hundert PR - Agenturen beauftragt hatte, um uns pazifistischen Weicheiern und anderen antimilitaristischen Zweiflern den Krieg schmackhaft zu machen.
Unmengen Dollars wurden dafür verwendet, um Journalisten zu manipulieren und die Medien auf Kriegskurs zu bringen.
Einige Wochen bevor die ersten Bomben fielen, unterhielt ich mich mit irakischen Dichtern in einem Kaffeehaus in Bagdad. Ein alter Poet sagte zu mir, er hätte wirklich nichts gegen Amerika, ja er liebe Amerika sogar. „Aber junger Mann“, sagte er, „wenn die Amerikaner uns wirklich angreifen, wird das Tor zur Hölle aufgemacht.“
Das Tor ist aufgemacht, wie wir wissen. Das Tor zur Hölle.
Kein Mensch mit auch nur ein bisschen Verstand wird bezweifeln, dass dieser Krieg ein schweres Verbrechen war, an dem sich einige westliche Konzerne und Firmen kräftig bereichert haben.
Nicht zuletzt Firmen, an denen kriegführende Politiker große Anteile besitzen.
Wollen wir nicht daraus lernen?
Vertreter der Friedensbewegung haben sich gegen Waffenlieferungen in den Nordirak ausgesprochen und stattdessen für eine »humanitäre Intervention« plädiert, »die ihren Namen wirklich verdient«. Diese solle die Bundesregierung »mit hohem finanziellem und personellem Einsatz bestreiten«, heißt es in einer Erklärung. Dazu seien »deutlich mehr als 100 Millionen Euro« nötig, heißt es in Richtung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Gefordert wird, »alle nach Berlin« einzuberufen, »die ein solches Engagement großzügig und kompetent stemmen können: unter anderem die etablierten Hilfsorganisationen und die Gruppen der Zivilgesellschaft«.
Auch ich plädiere für eine entschiedene Ausweitung der bisherigen Hilfe, etwa durch feste Flüchtlingscamps, stabile Lazarette inklusive medizinischer Versorgung, Unterstützung des Alltagslebens und anderes. »Hier hat Deutschland aus den Erfahrungen von Afghanistan durchaus etwas einzubringen«, heißt es in der Erklärung. »Flüchtende, die die Region verlassen wollen, sind zu unterstützen. ihnen ist Asyl oder ein humanitäres Aufenthaltsrecht gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention zu gewähren.«
Und ich möchte diesem wichtigen Aufruf noch hinzufügen: das muss sehr viel mehr kosten als hundert Millionen. Steckt endlich all das Geld, das ihr am Waffenhandel verdient habt, in diese humanitären, gewaltlosen Friedensprojekte.
„Frieden schaffen ohne Waffen“ hieß es 1982 im Berliner Appell von Robert Havemann.
Heute beschweren sich die Betriebsräte der Rüstungsindustrie, „dass es nur eine Ausnahme und nicht die Regel sei, in Staaten außerhalb der Nato Kriegswaffen zu exportieren.
Habt ihr sie noch alle? Oder hab ich etwas nicht mitbekommen: wird man zu manchen Berufen hierzulande zwangsverpflichtet?
Rechtfertigen Arbeitsplätze immer alles?
Fast 70 Prozent (!) der Deutschen sind gegen Waffenlieferungen an Kurden im Irak.
67 Prozent noch nicht weichgeklopfte Köpfe. Bravo!
Mal sehen, wie demokratisch unsere PolitikerInnen mit diesem Thema umgehen werden.
Keine Waffen.
Nirgendwohin.

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