Waffenlieferung an Kurden, Teil 2

23.08.2014

Liebe Freunde,

Waffenlieferung an Kurden, Teil 2:

Krieg ist unvernünftig, irrational und keine ultima ratio mehr!

Da immer wieder einige Kommentatoren meinen, mit Waffenlieferungen würden humanitäre Aktionen unterstützt und man müsse es der IS nun mal kräftig/männlich zeigen und ja natürlich - nicht mit „Yogamatten“ wie es der Philipp Rösler der Grünen, Herr Özdemir so trendsicher formulierte - all jenen sei ein Kommentar von Hans Berger aus dem „Hintergrund“ ans Herz gelegt.
„Die Formulierung, es sollen nun Waffen an "die Kurden" geliefert werden, ist unpräzise und täuscht. Denn "die Kurden" gibt es nicht. Es gibt verschiedene kurdische Milizen, die für durchaus unterschiedliche politische Konzepte stehen. Geliefert werden soll, jedenfalls soweit sich das aus den bisherigen Plänen absehen lässt, nämlich gerade nicht an jene Gruppen, die tatsächlich über eine Idee zur Neuordnung der Region verfügen, die funktionieren könnte, nämlich YPG und PKK. Die verfolgen mit ihrem "Demokratischen Konföderalismus" ein Projekt des friedlichen und gleichberechtigten Zusammenlebens der Völker der Region im Rahmen von basisdemokratisch organisierten Rätestrukturen und haben sogar im kurdischen Teil Syriens bereits unter den schwierigen Bedingungen des Bürgerkriegs eine Modellgesellschaft geschaffen, in der das funktioniert.“

„Geliefert werden soll aber nicht an sie, die immer noch auf diversen "Terrorlisten" zu finden sind, sondern an jene, von denen man meint, der Westen könne sie bestmöglich steuern und kontrollieren. Diese "Bündnispartner" sind zum einen die Peschmerga von Masud Barzani und zum anderen die irakische Armee. An letztere irgendetwas zu liefern, ist angesichts des desolaten Zustands dieser Truppe ohnehin eine völlig absurde Idee, denn die irakische Armee ist zum einen in Gruppen mit verschiedenen Loyalitäten fraktioniert und hat zum anderen bislang vor allem eines bewiesen: ihre unbedingte Kampfunfähigkeit. Waffen, die man dort hinschickt, könnten innerhalb kürzester Zeit, wenn mal wieder ein Stützpunkt überrannt wird, beim Islamischen Staat landen...."

Eines war mir immer schon klar: Staaten handeln nicht aus „humanitären Gründen“. Und allen gewaltbereiten Kriegern sei die Bitte ans Herz gelegt: Lasst euch nicht für dumm verkaufen und in ein Spiel einspannen in dem ihr nichts zu sagen habt, dessen Regeln ihr nicht kennt und bei dem ihr deshalb nur verlieren könnt.

„Man braucht kein Pazifist zu sein, um zu erkennen, dass Krieg in seiner heute üblichen hoch-mechanisierten over-kill-Form nicht mehr rational als Problemlöser fungieren kann, da durch ihn, in der Regel, vor allem Unschuldige, jetzt und auch künftig Lebende, getroffen werden und nicht die vermeintlichen oder gar eigentlichen Schurken. Mit Superkeulen, die großzügig und indifferent Lateralschäden in Kauf nehmen, lassen sich, ganz nüchtern betrachtet, Menschenrechte schlicht nicht erzwingen. Kriege mit geballter Zerstörungskraft sind zur Verteidigung der Menschenrechte nicht nur ungeeignet, sondern extrem kontraproduktiv. Das ist meines Erachtens die eigentliche Lehre von Kosovo, eine Lehre, die viele von uns, die große Kriege am eigenen Leibe erlebt haben, schon längst gezogen haben. Der Krieg ist unvernünftig, irrational, keine ultima ratio mehr…“
(Hans Peter Dürr)

P.S.:
Dank an HD Siebt, dass er mich an diesen großartigen Offenen Brief meines Freundes Hans Peter Dürr (2001) an Gernot Erler erinnert hat in seinem Kommentar:
http://www.hintergrund.de/201408223205/politik/inland/das-tabu-brechen.html

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