Vom Absurden zur Liebe

15.07.2014

Liebe Freunde,
vor ein paar Wochen hatte ich das Glück der Autorin des großartigen Buches „ Albert Camus – Vom Absurden zur Liebe“ zu begegnen: Anne-Kathrin Reif. Uns eint die Liebe zu Camus, wobei Anne-Kathrin natürlich die wesentlich fundiertere Kennerin seines Werkes ist und ich habe viel für mich Neues über den Menschen Camus erfahren dürfen in unserem Gespräch.
Camus - und das habe ich in den letzten Jahren oft erlebt - vereint auch nach seinem Tod die Menschen. Er verbindet wie ein gemeinsamer Freund.
Die Wuppertaler Kulturjournalistin und promovierte Philosophin Anne-Kathrin Reif lenkt in ihrem Buch „Albert Camus – Vom Absurden zur Liebe“ den Blick auf den Philosophen und Denker der Existenz, der in seinen Schriften auf einzigartige Weise den Fraglichkeiten des menschlichen Daseins Ausdruck verliehen hat.
Auf ihrer Website führt sie Tagebuch und ich möchte aus ihrem Eintrag vom 13.Juli ein paar Zeilen zitieren, die mich sehr angesprochen haben:
„….Es ist ja so, dass die Welt gerade mal wieder (wann eigentlich nicht?) ein Irrenhaus ist. Kaum auszuhalten, wenn man genau hinsieht. Religiös motivierter oder auch nur verbrämter Faschismus und separatistischer Nationalismus an allen Ecken, der die Welt in Brand zu stecken droht. D.h.: Es brennt ja schon allenthalben. Israel und Palästina, Russland und die Ukraine. Die unfassbaren Umtriebe der islamistischen Boko-Haram in Nigeria, die zu hunderten Mädchen verschleppt und versklavt und grausamste Massaker verübt. Das Erstarken der Isis-Terrortruppen im Irak, was nicht nur an sich schon schrecklich ist, sondern auch noch zeigt, wie atemberaubend sinnlos der vom Westen geführte Krieg dort war. „Konfliktherde“. Eigentlich ein viel zu harmloses Wort für all diesen Wahnsinn. Aber dann doch wieder passend. Weil es immer und überall genug Menschen gibt, die von diesem Wahnsinn profitieren und deshalb den Herd weiter aufheizen und immer weiter Öl ins Feuer gießen. Und zahllose Menschen, die unfassbar leiden, weil es für sie kein Entkommen daraus gibt, und sie quasi bei lebendigem Leib gekocht und gebraten werden. Ich werfe alles in einen Topf? Es gibt Gründe, und es gibt Täter und Opfer? Möglich, vielleicht. Schön für die, die sich immer sicher sind, das unterscheiden zu können. Vermutlich fühlt man sich dann nicht ganz so hilflos und ohnmächtig. Mich dagegen überwältigt die Hilflosigkeit und Ohnmacht, und das sogar schon, ohne auch noch eine Tages- oder Wochenzeitung gelesen zu haben, aus der mir dann auch noch das ganz „normale“ tägliche Elend der Welt entgegenspringt. Dass ich sie überhaupt noch spüre, diese wütende Ohnmacht und Hilflosigkeit, liegt vermutlich daran, dass ich mich weigere, diesen Irrsinn einfach hinzunehmen. Doch, ich verstehe durchaus, dass so viele Menschen weltweit gerade darauf starren, wie jeweils zwei gegnerische Mannschaften einem Ball hinterherjagen. Das sind wenigstens Kämpfe, die ausnahmsweise mal unblutig ausgetragen werden. Und die von allen anderen Kampfschauplätzen ablenken.
Bei mir funktioniert diese Ablenkung gerade nicht so richtig. Mehr als ein sehr kurzzeitiges Vergessen kommt dabei nicht heraus. Das einzige, was wirklich hilft, diesem ganzen Irrsinn standzuhalten, sind die Begegnungen mit Menschen, die mit all ihrem Tun und ihrem Sein ein Beispiel dafür geben, dass es auch anders geht. Mithin im Prinzip jeder, der versucht, ein aufrechtes Leben zu leben und sich bemüht, das Elend in der Welt zumindest nicht zu vergrößern, der dem Andersdenkenden zuhört, der dem Anderen mit Offenheit begegnet und dem Fremden die Hand reicht. Das einzige, was hilft…..“
Den ganzen Text findet ihr unter:
http://www.365tage-camus.de/

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