Unsre Feinde singen unsre Lieder

17.07.2014

Liebe Freunde,
beim Scheibenwischer Finale“, in Berlin 2.10.2003, hab ich schon ein Lied gesungen, das sehr gut zu meinem letzten Blog passt. „Unsre Feinde singen unsre Lieder“ ……

Man kann als braver Bürger zur Urne schreiten
und dadurch was „bewirken und verändern“.
Man kann als Protestierer die Wahl bestreiten –
vor allem in den meinungsfreien Ländern.
Man kann als Widerständler im Untergrunde
die Pläne schmieden für das Niedermachen.
Doch gingen die Extremen vor die Hunde.
Nichts war je so erfolgreich wie das Liedermachen:

Denn unsre Feinde singen unsre Lieder -
und wenn man Pech hat, klatschen sie sie mit.
Denn irgendwie sind wir doch alle Brüder -
im Geiste teils, teils im Profit
Sie kennen kein Erbarmen beim Umarmen.
Sie finden ältre Herrn noch talentiert.
Man hört sie gütigst loben, statt zu toben,
halten sie sich noch selbst für „engagiert“.
Und unsre Feinde kennen unsre Reime.
Wenn du zitiert wirst, wird dir angst und bang.
In den Gesprächen schwimmen sie im Schleime:
„Wir ziehn ja doch – am selben Strang.“

Man kann als alter Recke die Wunden lecken.
Die Siege werden dadurch nicht glorioser.
Man kann sich Ehrenkreuze an Krägen stecken.
Das Heldentum wird deshalb nicht grandioser.
Man kann auf Brettlbrettern Karrieren starten.
Ich würd es immer wieder, immer wieder wiedermachen.
Ich würd die Lieder schreiben, die tödlich harten.
Denn nichts ist so erfolgreich wie das Liedermachen:

Denn unsre Feinde singen unsre Lieder.
Und wenn man Pech hat, klatschen sie sie mit.
Denn irgendwie sind wir doch alle Brüder -
im Geiste teils, teils im Profit.
Sie kennen kein Geniern beim Applaudiern.
Sie wissen wer ein „großer Könner“ ist.
Da gibt es kein sich Ziern beim Toleriern,
damit die Welt sieht, wer ein Gönner ist
Und unsre Feinde kennen unsre Reime.
Wenn du zitiert wirst, wird dir angst und bang.
In den Gesprächen schwimmen sie im Schleime
und hängen bald am gleichen Strang.

Das könnte jetzt ein Grund sein, es aufzugeben.
Wozu? Wenn alles nur in Luft geblasen?
Man könnte doch genüsslich ganz anders leben
und denunziert den Liedertext als Phrasen.
Ja, alles kann ein Grund sein Kommerz zu machen.
Am besten gehen doch immer noch die Zoten.
Es könnte auch ein Grund sein „Herzschmerz“ zu machen,
doch sind wir keine Volksmusikidioten (volkstümlichen Idioten).

Zwar unsre Feinde singen unsre Lieder.
Doch bleibt die Hoffnung, dass wer dran erstickt.
Vielleicht auch kauen sie die Lieder wieder,
weil deren Geist im Magen drückt.
Dann können sie nicht sprechen beim Erbrechen.
Dann fühlen sie sich in den Knien weich.
Sehr schwierig ist das Protzen während Kotzen,
und ihre fetten Backen sind kurz bleich.
Und deshalb reimen wir die alten Reime.
Wer keine Wahl hat, der hat keine Wahl.
Und deshalb träumen wir die alten Träume
schon heute nacht – das nächste Mal!

Text: Werner Schneyder
Musik: Konstantin Wecker

https://www.youtube.com/watch?v=8tRQ5N2Gulw&feature=youtu.be

zurück