Mit den Mitteln der Kunst

25.05.2014

Liebe Freunde,
ich bin kein Politiker und werde auch nie einer sein. In erster Linie fühle ich mich als Musiker und Poet. Und so wie mich die Poesie verändert und weicher gemacht hat, warmherziger und weitblickender, so hoffe ich, mit den Mitteln der Kunst dazu beitragen zu können, eine gleichgültige Welt in eine mitfühlende zu verwandeln. Die Frage nach der Fähigkeit des Menschen zum Mitgefühl ist die Frage nach seinem Menschsein. Mitgefühl ist das einzige wirklich wichtige Erbe, das wir unseren Kindern hinterlassen können. Und nie kommen wir diesem Mitgefühl näher als mit der überrationalen Sprache der Kunst. Nicht ohne Grund wird in diesen extrem materialistischen Zeiten die Kultur aus der Politik ausgeklammert. Sie wird, wie mittlerweile der ganze Mensch, der Ökonomie geopfert. Nicht ohne Grund wurde unter Hitler alles künstlerisch Hochwertige als entartet verbannt. Nicht ohne Grund ließen die Taliban Musikinstrumente öffentlich erhängen. Man muss sich das einmal vorstellen, und es entbehrt nicht einer gewissen Komik - Hakim Ludin, der wunderbare afghanische Percussionist, mit dem ich immer wieder musiziere, erzählte mir das: Musikinstrumente am Galgen – da hätten die Herren Taliban im Westen mit den Konzertflügeln ganz schöne Probleme!
(Quelle: Mönch und Krieger)

Stürmische Zeiten, mein Schatz, Hochzeit der Falken.
Und um die Insel unserer Liebe giftet ein Sturm.
Lieder und Verse sind am Verkalken,
die Hunde winseln, Seher fallen vom Turm.

Die Minister scharwenzeln verschleimt um die möglichen Sieger,
die Bürger fordern Ordnung und Zucht,
denn Schuld sind wie immer die andern,
die Überflieger
ergreifen auf ihren Mantras schwebend die Flucht.

Unruhige Zeiten, mein Schatz,
wo doch alles so klar war,
vierzig Jahre geregeltes Sein,
wo nach außen fast jeder Fürst oder Zar war
und jetzt bricht dieses Weltbildgebäude so kläglich ein.

Ach, wer auf Häuser baut, den schreckt jedes Beben,
wer sich den Banken verschreibt,
den versklavt ihre Macht.
Wer seinem Staat vertraut, der muß damit leben,
daß was heute noch Recht ist oft Unrecht wird über Nacht.

Aber dennoch nicht verzagen,
widerstehn.
Leben ist Brücken schlagen
über Ströme, die vergehn.
Leben ist Brücken schlagen
über Ströme, die vergehn.

Stürmische Zeiten, mein Schatz,
doch oft tragen die Stürme
Botschaften ferner Himmel in unsere Welt,
und es ist immer der Hochmut der prächtigsten Türme,
der allen voran in Staub und Asche zerfällt.
Es scheint fast, als drehte die Erde sich
ein wenig schneller,
die Starrköpfigsten schielen wieder mal auf den Thron.
Jetzt rächen sich wohl die zu lange zu vollen Teller
und manchem bleibt nur noch der Schlaf
und die Träume des Mohn.

Unruhige Zeiten, mein Schatz. Gut, daß fast immer
unsere Liebe in wilder Bewegung war,
mal ein Palast, oft nur ein schäbiges Zimmer,
schmerzvoll lebendig, doch immer wunderbar.

Ach, wer auf Häuser baut,
den schreckt jedes Beben,
wer sich den Banken verschreibt,
den versklavt ihre Macht.
Wer seinem Staat vertraut, der muß damit leben,
daß was heute noch Recht ist, oft Unrecht wird über Nacht.


Aber dennoch nicht verzagen,
überstehn.
Leben heißt Brücken schlagen
über Ströme, die vergehn.

(Text und Musik: Konstantin Wecker)

https://www.youtube.com/watch?v=gVKlR9ojAKw

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