Rede über Nachhaltigkeit im Rahmen des Auftritts beim Abschlusskongress des Rats für nachhaltige Entwicklung in Berlin (2.6.2014)

04.06.2014

Vor einigen Tagen hatte ich einige mittelständische Unternehmer zu Besuch, mit denen ich gerne für meine nächste Tour zusammenarbeiten möchte.

Unternehmer wie die aufsässigen Milchbauern aus Österreich, einige Biobauern und meinen Freund Heini Staudinger der Firma GEA. Unternehmer die ihre Mitarbeiter anständig und fair behandeln, zum Beispiel auch weil sie jeden persönlich kennen, Unternehmer denen der Profit nicht wichtiger ist als die Empathie, Unternehmer, die – wie so viele andere auch – bereits seit Jahren nachhaltig produzieren.

Ich haben sie gefragt, was sie Ihnen, meine Damen und Herren des „Rats für nachhaltige Entwicklung“ gerne mit auf den Weg geben würden. Sie einigten sich schnell auf den Satz: Es ist möglich zu wirtschaften ohne dabei die Natur zu zerstören, ohne die Menschen mit Chemikalien in der Nahrung zu vergiften, ohne Tiere zu quälen, und es besteht keine Notwendigkeit, dass auch nur ein Mensch dieser Erde verhungert.

Diese Unternehmerinnen und Unternehmer und viele andere auch, arbeiten bewundernswert mutig daran, das wieder gut zu machen, was Konzerne und Großunternehmer in ihrer Gier zerstört haben. Sie werden meist als naiv desavouiert, als Träumer oder Spinner verlacht, aber wie schrieb schon Henry Miller, der einzige tatsächliche Held meiner Jugendzeit, in „Rimbaud oder vom großen Aufstand“: „Vielleicht fehlt uns ein Träumer, und wir wissen noch nicht einmal, dass er uns fehlt (…) der Träumer, der wahre begeisterte Irre, der Einsame, der wirklich Verlassene, der einzige tatsächliche Rebell.“ Träume können subversiver sein als politische Ideologien, deshalb sind sie für die selbsternannten Realisten so gefährlich.

Ich bitte Sie, hören Sie sich diese Menschen an, schließen Sie sie in ihr Herz, machen sie ihre Sache zu Ihrer eigenen.

Die Nachhaltigkeit der Natur ergibt sich organisch, also frei. Der Mensch muss sie sich organisieren. Also eingreifen.

Jean-Jaques Rousseau brachte es auf den Punkt: “Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt – und das Gesetz, das befreit.“

Warum Konzerne und Großbanken privatkapitalistisch bleiben müssen, hat sich mir noch nie erschlossen.

Dass allerdings kleine und mittelständische Unternehmen – privat und frei – mehr Nachhaltigkeit erzielen, lässt sich mit vielen Beispielen ökologischen Erfindungsgeists belegen.

Nachhaltigkeit war bislang überwiegend nur auf die Erneuerbarkeit von Energie fokussiert. Ich rege an, auch über die Erneuerbarkeit von Stoffen nachzudenken. Was wir brauchen, ist eine “Reparaturoffensive” gegen die Wegwerfgesellschaft, an der Nach-uns-Kommende ersticken dürften.

Das heißt für mich: mehr gesetzlichen Zwang des Solidarstaats auf Konzerne, endlich reparaturfreundlich zu produzieren. Aber eben auch: mehr Freiheit für die Zulieferer, Werkstätten und Reparateure – besonders Freiheit von der Patent-Sklaverei aus den Konzern-Chefetagen. Also weniger Dagobert Duck – und mehr Daniel Düsentrieb!

Und das für mich als bekennenden Pazifisten entscheidende Thema hat natürlich mit Nachhaltigkeit zu tun: Krieg und Frieden! In Mali wollen die Franzosen an das Uran für ihre AKWs. In Afghanistan waren seltene Erden im Fokus des Interesses. Fracking-Profite der riesigen dortigen Schiefergas-Vorkommen befeuern auch den Ukraine-Konflikt.

Spekulation ist als Menschenrecht noch nicht anerkannt. Gott sei Dank.

Aber Nachhaltigkeit wäre Weitsicht und Frieden zwischen Mensch und Natur. Und: zwischen Mensch und Mensch.

Wir sollten die Nachhaltigkeit in unser Grundgesetz aufnehmen. Der Würde des Menschen zuliebe.

Vertrauen wir lieber den aufsässigen Milchbauern als den eingesessenen Konzernen. Sie, die Milchbauern, haben mir gesagt, dass sie meine Lieder in den letzten Jahrzehnten begleitet haben und ihnen Mut gemacht hätten. Und ich somit an ihrer Arbeit immer beteiligt gewesen sei. Das freut mich unglaublich.

Dass diese Welt nie ende, nur dafür lasst uns leben!

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