Gefrornes Licht

07.06.2014

Wenn durch den Dom von sommergrünen Bäumen
die Lichter wie ein Segen niedergehen
und als Kristalle in den Zwischenräumen
von Laub und Ast und Himmel stehen,
da ahnst du, dass, was scheinbar fest gefügt
und uns sich als die Wirklichkeit erschließt,
nichts als ein Bild ist, das sich selbst genügt,
durch das verträumt ein großer Atem fließt.
Du magst es greifen, du begreifst es nicht -
was du auch siehst ist nur gefrorenes Licht.
Wenn sich in solchen seltnen Stunden
des Daseins Schönheit leise offenbart,
weil sich - sonst nie so leicht verbunden,
das Ahnen mit Erleben paart,
dann zögre nicht, dich zu verwandeln.
Nimm diese Stunde tief in dich hinein.
So aus der Zeit erübrigt sich das Handeln
und in der Leere offenbart sich erst dein Sein.
Du magst es greifen, du begreifst es nicht-
was du auch siehst ist nur gefrorenes Licht.


Für meinen Freund, den großen Physiker Hans Peter Dürr, der mich vor zwei Jahren zu diesem Gedicht inspiriert hat und heute zu Grabe getragen wird.

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