Er war Mensch.

17.05.2014

Liebe Freunde,
am 9. April 1945 wird der Theologe Dietrich Bonhoeffer, gerade mal 39 Jahre alt, im KZ Flossenbürg von den Nazis ermordet.
1933 veranstalten die „Deutschen Christen“ eine Großkundgebung im Berliner Sportpalast. Hauptredner ist der Gauobmann Krause, der die Kirche zur „Befreiung vom alten Testament mit seiner jüdischen Lohnmoral, von diesen Viehhändler- und Zuhältergeschichten“, zur Beseitigung der „jüdischen Theologie des Paulus und zum Glauben an den heldischen Jesus“ aufruft.
Der Großteil der deutschen „Christen“ liegt vor Hitler anbetend auf den Knien.
Viele der hitlertreuen Würdenträger blieben nach dem Krieg noch in Amt und Würden.
Der mutige Christ Bonhoeffer engagiert sich in Opposition gegen das Reichskirchenregiment für die „Bekennende Kirche" in Preußen als Notkirche.
„Unsere Evangelische Kirche ist judenreiner als irgendeine andere Organisation“ - den schrecklichen Jubelschrei des Landesbischof Wurm (1937) beantwortet der furchtlose Bonhoeffer mit dem wunderbaren Satz:
„Nur wer für Juden schreit, darf Gregorianisch singen“.
Sein aufrechter Gang für die Menschlichkeit im Namen Christi wird ihm im Endeffekt das Leben kosten.
Seine These lautet: Kirche und Unkirche können keine Gemeinschaft miteinander haben.
Bonhoeffer, ein eher konservativer Mann, gehörte keiner politischen Gruppe an. Er war Mensch. Er war mutig. Er hätte fliehen können. Er hat sich entschieden zu bleiben.
Mir gibt ein Satz sehr zu denken, den er jungen Priestern entgegenhielt, die glaubten, auch in der falschen Kirche Gutes und Richtiges wirken zu können:
„Wenn man in einen falschen Zug einsteigt, nützt es nichts, wenn man im Gang entgegen der Fahrtrichtung läuft.“
Hoffen wir, dass wir uns nie für den falschen Zug entscheiden.

P.S:
Gut 15 Jahre später wird Adorno in seiner „Minima Moralia“, aus dem kalifornischen Exil, noch unter dem Schock des faschistischen Terrors, seinen berühmten Aphorismus „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“ niederschreiben.

Quelle:
Renate Wind
„Dem Rad in die Speichen fallen“
Die Lebensgeschichte des Dietrich Bonhoeffer
Beltz & Gelberg
Sehr empfehlenswert!!!

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