Ja, ich bin Pazifist

19.05.2014

Liebe Freunde,
Ein gerade heutzutage wieder wichtiges Buch von Arno Gruen heißt: “Ich will eine Welt ohne Kriege. Er wollte mit diesem Buch vor allem junge Menschen ansprechen.
Wünscht sich ein Kind eine Welt ohne Kriege, wird es von Erwachsenen als naiv abgetan, genauso wie der Jugendliche oder alte Friedensaktivist, der für Frieden demonstriert. »Aber was ist naiv an solchen Wünschen?«, schreibt Arno Gruen. »Was ist lächerlich daran, sich eine Welt ohne Gewalt vorzustellen? Warum wird ein von Liebe bestimmtes menschliches Zusammenleben als naiver Traum abgetan?«
Henry Miller, der Held meiner Jugendzeit, schreibt in »Rimbaud oder vom großen Aufstand«: »Vielleicht fehlt uns ein Träumer, und wir wissen noch nicht einmal, dass er uns fehlt (...) der Träumer, der wahre begeisterte Irre, der Einsame, der wirklich Verlassene, der einzige tatsächliche Rebell.« Träume können subversiver sein als politische Ideologien, deshalb sind sie für die selbsternannten Realisten so gefährlich.
Ob das auch für Lieder gilt? Ist das vielleicht der Grund, warum man mich beim Fernsehen zwar immer wieder gern zu Talkrunden einlädt, mir aber nur äußerst selten die Gelegenheit bietet zu singen? Arno Gruen: »Die Quelle von Feindseligkeit und Gewalt liegt in einer Kultur, die Leistung und Besitz über alles stellt und es Menschen kaum möglich macht, ein Selbst zu entwickeln, das auf Vertrauen und Mitgefühl beruht.« Dem ist nichts hinzuzufügen.
Sollen sie uns verlachen - für mich ist der einzige Weg in ein friedliches Morgen der Weg der Gewaltlosigkeit und des radikalen Pazifismus.
Ich habe festgestellt, dass gerade Leute, die sich aktiv in der Friedensbewegung engagieren, keine Probleme damit haben, sich als Pazifisten zu bezeichnen. Warum? Ich glaube, sie merken durch ihre Arbeit, dass Pazifismus etwas Tätiges ist, das nichts mit einem untätigen Warten auf friedliche Zeiten zu tun hat. Wer in Krisengebieten vor Ort ist, um sich für Frieden einzusetzen, braucht allemal mehr Mut als diejenigen, die in Deutschland vom Schreibtisch aus die Notwendigkeit von Kriegen erklären.
Es sind vor allem Frauen, wie die Friedensaktivistin Ellen Diederich oder meine Freundin Heike Hänsel, mit der ich im Irak war, denen es nicht schwer fällt sich als Pazifisten zu definieren.
Vielleicht fällt dies ja manchen Männern deshalb so schwer, weil sich diese nicht so gern dem Verdacht aussetzen „Weicheier“ zu sein.
In meinem Buch „Mönch und Krieger“ habe ich mich ausführlich auch mit den Selbstzweifeln auseinandergesetzt, die einen immer wieder überkommen.
Doch für den Pazifismus habe ich mich entschieden, weil diese Haltung meinem Verständnis und meiner Kenntnis am nächsten kommt. Auch meiner persönlichen Geschichte – der eines Menschen, der nach dem Grauen der beiden Weltkriege in Europa zur Welt kam. Je älter ich werde, umso vorsichtiger werde ich zu behaupten, dass eine Idee – welche auch immer – die für alle Zeiten, in allen Fällen und für alle Menschen einzig richtige sein könne. Und dennoch: Ja, ich bin Pazifist und hoffe, dafür bis an mein Lebensende an mir arbeiten zu können.

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