Wenn er lachte, ging mir das Herz auf.

20.05.2014

Liebe Freunde,
es ist unendlich traurig, dass mein verehrter und geliebter Freund Hans-Peter Dürr gestorben ist.
Hans-Peter, der Weise, der Mystiker, der Tänzer.
Er liebte es zu tanzen, privat und als Wissenschaftler zwischen den Welten. Zu tanzen und Brücken zu bauen.
Nie habe ich ihn so fröhlich und ausgelassen gesehen wie beim Tanz mit seiner großartigen Frau Sue.
„Für mich als Naturwissenschaftler bedeutet Versöhnung, dass wir nicht auf das Spirituelle verzichten können. Das Spirituelle kommt ohne das naturwissenschaftliche Denken aus, aber nicht umgekehrt. Das heißt, das Spirituelle ist sozusagen das größere Holon, in dem die Naturwissenschaft eine Art Unterholon ist. Die Naturwissenschaft hat das Ohr der Welt, weil sie angesehen wird als etwas, was Macht gibt – und deshalb werden Naturwissenschaftler anerkannt. Aber die Naturwissenschaft, wenn sie eine Verbindung zur Religion findet, könnte auch die Tendenz zur Weisheit verstärken und nicht nur zur Macht. Wissen ist für mich nicht nur ein Mittel zur Macht, sondern auch zur Einsicht und zur Weisheit. Wir müssen unbedingt die spirituelle Komponente wieder in diese Welt bringen, sonst gehen wir einem unendlichen Leid entgegen. Ich fühle mich verantwortlich. Daher auch die Frage, inwieweit Religion ebenfalls eine neue Verantwortung in der Welt übernehmen muss, wenn es darum geht, etwas tun zu wollen“.
Als Albert Schweitzer im Jahr 1954 den Friedensnobelpreis im Alter von 79 Jahren in Empfang nahm, studierte der 25 Jahre junge Hans-Peter Dürr aus Stuttgart an der Elite-Universität Berkeley/Kalifornien und promovierte 1956 als Physiker bei dem legendären „Vater der Wasserstoffbombe“ Edward Teller. Im Jahr 1995 nahm der Friedensaktivist Hans-Peter Dürr mit seinen Kollegen und Freunden von „Pugwash“ in Oslo den Friedensnobelpreis entgegen.
Professor Dürr wurde eine führende Kapazität im Bereich der Quantenphysik. Er war farbenblind und sah von Kindheit an nur auf dem rechten Auge. „Mein Weg zum Dritten Auge führt zunächst über das zweite Auge, das ich gar nicht nutzen kann“, sagte er oft lächelnd, in Anspielung auf angeblich Sehende, die das Wesentliche zu erkennen glauben.

Mit einer Delegation der „Kultur des Friedens“ reiste dieser liebenswerte Mensch noch im Dezember nach Athen, auch um Mikis Theodorakis zu treffen.
Es tut mir so leid, dass ich damals aus Zeitgründen nicht mit konnte. Im Nachhinein denke ich, ich hätte alles andere absagen sollen.
Wenn er lachte, ging mir das Herz auf. Er nahm sich immer wieder die Zeit, mir, dem Laien die Quantenphysik, etwas näher zu bringen.
Er gehörte zu den wenigen Wissenschaftlern die kein Geheimnis um ihr Wissen machen wollten, sondern verstanden werden wollten.
Er wird der Friedensbewegung fehlen und all jenen, die über den Tellerrand der Wissenschaft hinauszuschauen wagen. Ich durfte unvergessliche Stunden mit ihm verbringen. Es ist nicht allzulang her, dass wir zusammen mit seiner Frau Sue einen Abend lang gegessen, getrunken und gelacht haben. Hans-Peter war so ausgelassen und fröhlich. Wir sprachen über Politik und Philosophie und er hatte so viel zu sagen und sagte es wie immer so bescheiden.
Hans-Peter hat sich bis zu seinem Tod das Staunen bewahrt, das Geheimnis großer Geister.
Mein lieber Freund, es tut unendlich weh, nun diese gefährlichen Zeiten ohne deinen Rat durchwandern zu müssen. Ich war so stolz als du mir sagtest, du würdest gerne vor dem Einschlafen einige meiner Lieder hören.
Du fehlst. Nicht nur deinen Lieben und mir.
Du fehlst all jenen, denen die Ratio viel, aber eben nicht alles bedeutet. All jenen, die wie du daran glauben, dass die Liebe - wie du eines deiner Bücher genannt hast - die „Urquelle des Kosmos“ ist.
Du fehlst allen, die guten Willens sind.
Deine Ideen bleiben und haben sich für immer in das Gedächtnis der Welt gegraben.
In tiefer Trauer
dein
Konstantin

(Dank für die Zitate an Hans Peter Dürrs Freund und Mitarbeiter, dem Etymosophen Roland Ropers)

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