Herr Steinmeier hat gebrüllt.

22.05.2014

Liebe Freunde,
Herr Steinmeier hat gebrüllt. Und alle liegen ihm zu Füßen, weil er, so heisst es, Gefühle gezeigt hat.
„Steinmeiers Wutrede am Alexanderplatz, in der er sich an ein paar Dutzend selbst ernannten "linken" Friedensaktivisten abarbeitet (Gänsefüßchen von SPIEGEL online), sorgt für bemerkenswerte Reaktionen. Auf YouTube wird der Clip zum Hit, Twitter-User sind begeistert, "Gut gebrüllt, Herr Außenminister", lobt die „Bild“-Zeitung.“
Was bitte sind „selbsternannte“ Friedensaktivisten?
Oder schreiben das vielleicht nur „selbsternannte“ Journalisten?
Wird verfehlte Politik einen Deut besser, nur weil man jetzt mal brüllt? Oder brüllt man so, weil man weiß, dass sie verfehlt ist?

Macht man DemonstrantInnen, Kriegsgegner und PazifistInnen auf diese infame Weise nieder? Indem man sie unter anderem als Europafeinde denunziert? Sollte man die Macht, die einem Bühne und Mikrofone, Sicherheitsbeamte und Polizei geben nicht anständiger nutzen? Und ist es das, dieses uralte herrische Gehabe, das so vielen begeisterten Kommentatoren schon lange wieder gefehlt hat?
Hat er was Neues erzählt oder nur - diesmal brüllend - die alte, imperialistische Politik verteidigt?
Er sagte, er werbe damit für seinen „Dialog-Kurs in der Ukraine“.
Dialog???
Fördern Wirtschafts-Sanktionen wirklich einen aufrichtigen Dialog?
Ist das ein ehrlicher Beitrag zur Deeskalation?
Oder vielleicht doch nichts anderes als eine Werbekampagne für den drittgrößten Waffenexporteur der Welt?

"Der Sozialdemokratie muss niemand sagen, warum wir für Frieden kämpfen müssen!", ruft Steinmeier. Hör ich recht? Oder kann es nicht sein, dass man gerade der Sozialdemokratie das sagen muss, sieht man sich ihre Geschichte einmal ohne rosa Brille an.
Ich wäre von Herzen gern noch Sozialdemokrat. Allein, mir fehlt der Glaube….
„Gut gebrüllt“ lobt die BILD.
Na ja, diese Zeitung hat ja immer schon gewusst, wer Recht hat.
Und wer gut brüllt hat Recht?

zurück