Ein Ort, an dem man in Würde und so schmerzfrei wie möglich sterben kann

23.11.2013

Liebe Freunde,

ein Hospiz ist ein Ort, an dem man in Würde und so schmerzfrei wie möglich sterben kann. Ich habe oft darüber geschrieben, denn ich engagiere mich schon lange für die Hospizbewegung.
Ich habe heute Nachmittag, zusammen mit meinem Freund Jo, in Fulda, in einem Hospiz gesungen, weil es den Menschen dort nicht mehr möglich ist, ins Konzert zu kommen.
Meine Mutter durfte in München in einem Hospiz sterben, liebevoll betreut und gepflegt von den Ärzten und Pflegekräften, denen ich immer dankbar sein werde.
Ich bewundere Menschen, die nicht nur am eigenen Leid leiden, sondern versuchen auch anderen beizustehen, denen das Schicksal übel mitspielt. Die sich dem Nächsten nähern, beistehen, Hilfe leisten. (Interessant, wie in unserer Leistungsgesellschaft das Hilfe leisten immer an letzter Stelle der Leistungen kommt.)
Der Tod wird ausgeklammert aus unserem Leben, wer sich mit dem Tod auseinandersetzt und sich der Vergänglichkeit allen Seins bewusst ist, der ist nicht mehr so leicht manipulierbar in dieser ausschließlich auf Gewinnmaximierung bedachten Gesellschaft. Er wird wie alle selbstbewusst denkenden Menschen überflüssig.

Nun haben die Hamburger das grosse Glück, dass in nächster Zeit ein bereits fertig gestelltes Hospiz eröffnet werden kann.
Wenn nicht - ja so unglaublich absurd es klingt - wenn nicht der böse Nachbar wäre.
Die Gründe gegen das Hospiz sind so ekelerregend peinlich, dass man kaum wagt es auszusprechen.
Eventuell sinkende Grundstückspreise und ein Leichenwagen der ein paar mal im Monat vorbeifährt und die Ruhe (!) dieses Ehepaars stören könnte.
So wie es aussieht, hat der Kläger Chancen und das Hospiz muss wieder abgerissen werden.
Hoffen wir auf einen mutigen und mitfühlenden Richter.
Empört Euch!
Die Kläger können vielleicht ja auch nichts für ihren Starrsinn. Sie sind die gehirngewaschenen Marionetten eines Systems, das ihnen täglich eintrichtert, dass Mitgefühl ein Minusgeschäft sei und ein Leichenwagen immer nur für anderen bestimmt.
Uns jedenfalls hat der heutige Besuch bei diesen großartigen Menschen im Herz-Jesu - Krankenhaus gezeigt, wie wertvoll es ist sich zu umarmen und wie sehr der Tod dem Leben inne wohnt.

Um es mit Rilke zu sagen:
Der Tod ist groß
Wir sind die Seinen,
Lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen
Wagt er zu weinen
Mitten in uns.

http://mobil.abendblatt.de/hamburg/harburg/article122182610/Wie-ein-Ehepaar-ein-Hospiz-verhindern-will.html

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