Ein aufwühlender Aufschrei

28.11.2013

Liebe Freunde,

dieser aufwühlende Aufschrei eines mir unbekannten ungarischen Journalisten wurde mir vor einigen Tagen zugesandt. Eine Besucherin meiner Konzerte, Jana Schwarz-Schmid aus Berlin, schickte ihn mir mit folgenden Zeilen:
"Heute nun erreichte mich ein mail meines geliebten Papas, der den folgenden Aufruf eines ungarischen Journalisten ins Deutsche übersetzt hat, aus einem Land, das im Jahr 2013 droht, zum zweiten Mal endgültig im braunen Dreck unter zu gehen."
Nicht nur Ungarn läuft Gefahr, im braunen Dreck unterzugehen. Auch Griechenland. und wenn ich " unseren" NSU- Prozess verfolge, kommt mir bezüglich der Verstrickung unseres sogenannten Verfassungsschutzes mit den Nazimördern schon lange die Galle hoch.

"Mensch, Bürger! Wenn du noch nicht verbrannt bist, protestiere! Mehr heile Augenblicke hast du nicht! schreibt der Journalist István Gábor Benedek.

Bürger! Alarm!
Springerstiefel marschieren vor dem Hotel Gellért auf. Bücher von Miklós Radnóti (ungarischer Dichter, von den Pfeilkreuzlern 1944 brutalst ermordet – d. Ü.) werden auf der Straße verbrannt. Ungarische Nazis lassen in Fußballstadien Hitler in Chören und mit regulärem Hitlergruß hochleben. Horthys Statue wird in einer Kirche enthüllt. Der Scherge Csatáry wird durch seine Nachfolger angepriesen. Der Präsident der USA schreibt als einer der Rechtsnachfolger der im Zweiten Weltkrieg siegreichen Koalition vergeblich einen aufrüttelnden Brief – nichts passiert. Auch ihm wird nicht einmal geantwortet.
Und – ich habe diese Angst – auch mir wird keiner antworten. Die Opposition schreit nicht auf – weder gemeinsam, noch getrennt. Auch die ungarische Regierung, das Parlament schweigen. Der Dreck strömt auf die Straße vor unser aller Augen. Und die Menschen halten nicht einmal ihre Nase zu!
Wo sind denn die Mutigen? Wo die Antifaschisten, die würdigen Priester, die anständigen, guten Menschen? Wo sind denn diejenigen, die einst noch einiges über Solidarität, die den aufmunternden Händedruck des Widerstands gelernt haben? Die, die als Jugendliche eine im Herzen geborene alte Melodie sangen? Wo sind denn die protestierenden Hunderttausende, die Millionen?
Warum erklingt in den, in politischen, Sand gesteckten Köpfen nicht der einst gelernte Marsch?
Der Faschismus ist der Faschismus, immer und überall! Nazis dürfen keine Absolution erhalten! Die Namen von Hitler, Horthy und Csatáry sind Synonyme des Schreckens und des Todes. Die Zerstörung der Statue von Radnóti ist ein ekelhafter Doppelmord, die Verbrennung seiner Bücher ist ein Justizmord, es ist die Verweigerung des menschlichen Geistes, der kulturellen Werte. Das Stummsein der Politik ist das Schweigen im Chaos. Das Stummsein ist in der heutigen Zeit Komplizenschaft! Oder gar Einverständnis? Dies ist keine letzte Mahnung mehr! Dies ist keine Nähe der Flammen, dies ist das Feuer selbst!"

Das Stummsein ist in der heutigen Zeit Komplizenschaft. Gilt das nur für Ungarn - könnte man sich fragen....

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