Tournee Liedestoll mit Angelika Kirchschlager

18.10.2013

Liebe Freunde,

am 29.Oktober beginnen die Endproben für meine Tournee mit Angelika Kirchschlager in Frankenthal. Die Premiere ist dort im Congress Forum um 31.10. (Alle Konzerte der Tour auf Termine)

Wir sind alle ganz schön aufgeregt vor dieser Tour, denn immerhin verlassen wir wieder mal gewohnten Boden und begeben uns teilweise auf fremdes Terrain. Wenn die klassische Sängerin bei einem Weckerlied mitsingt und ich beim Erlkönig - um nur ein kleines Beispiel dieses für uns jedenfalls sehr spannenden Programms zu nennen - so ist das eher ungewöhnlich.

Aber wir denken, es ist wichtig, der klassischen Musik immer wieder mal das Museale zu nehmen und sie, bei allem Respekt, lebendig und neu zu gestalten. Schubert selbst hat seine Lieder oft weinselig in Kneipen gesungen und seine göttliche Musik hat es verdient, ab und zu entstaubt zu werden. Und so manches Weckerlied klingt aus anderem Mund bestimmt beileibe nicht schlechter. Ich denke dabei an Joan Baez, oder an „La Negra“, Mercedes Sosa, die so unvergleichlich mein altes „Ich singe, weil ich ein Lied hab“ als „Yo canto porque tengo vida“ interpretiert hat.

Angelika ist auf die Idee gekommen, das Programm „Liedestoll“ zu nennen. Ein programmatischer Titel, denn ja, wir sind verrückt danach Lieder zu hören, zu singen, zu leben, wir beide, das rockende Spring String Quartet und mein alter Freund und Wegbegleiter Jo Barnikel. Und zum ersten Mal dabei, ein neuer Percussionist:Sebastian Trimolt. Ihr werdet auch an ihm viel Freude haben!

Ich fühle mich schon immer der klassischen Musik und dem sogenannten Kunstlied verbunden, vor allem weil die Oper und das Lied, meinen Eltern sei Dank, meine Kindheit bestimmt haben, und ich denke, das hört man einigen meiner Lieder und vor allem meinen Filmmusiken auch an. Mein Papa war Opernsänger, ein erfolgloser, der deshalb eben nicht auf den Bühnen der Welt zu Hause war, sondern Zeit hatte mit dem Knaben Konstantin die schönsten Opernduette zu singen. (Ich werde meine Mitarbeiter bitten, in den nächsten Tagen mein „Heideröslein“ zu posten.)

Erfolglos war mein Vater übrigens nicht, weil er kein guter Sänger war, sondern weil er kein Nazi war.

Während der Zeit des Naziterrors hatte er deshalb gar keine Chance, und in der jungen BRD eben auch nicht, weil dort die alten Seilschaften auch keine Antifaschisten duldeten. Ein Mann wie Karajan, der gleich zweimal in die NSDAP eingetreten war, hat jedenfalls eine größere Karriere gemacht.

Auch Angelika hat ihrem Vater sehr viel zu verdanken und so haben wir uns entschieden - und sehr viel mehr möchte ich jetzt auch gar nicht verraten - dieses Gedicht an meinen Vater an das Ende unseres Programms zu stellen. Eine Würdigung unserer Eltern, stellvertretend für viele Eltern, die ihren Kindern das wichtigste mitgegeben haben, was man Kindern geben kann: Mitgefühl und Liebe, die keine Bedingungen stellt.

P.S:

Ich werde mich jetzt bis zur Premiere ausklinken und netzfrei sein, ich bitte euch um Verständnis darum, dass ich bis dahin auf facebook selbst keine Beiträge mehr poste und auch keine Nachrichten beantworten werde. Ich wünsche euch goldene Herbsttage und hoffe wir sehen uns im November. Und ich verspreche allen, die diese Sängerin vielleicht noch nicht kennen: Angelika Kirchschlager ist eine wahrhaft große Künstlerin, die der lebende Beweis dafür ist, dass auch eine weltbekannte Opernsängerin keine Diva sein muss.

Für meinen Vater

Niemals Applaus, kein Baden in der Menge
und Lob, das nur vom kleinsten Kreise kam.
Und das bei einer Stimme, die die Enge
des Raumes sprengte, uns den Atem nahm.

Dein "Nessun´ dorma" war von einer Reinheit,
die nur den Allergrößten so gelang.
Du blühtest nur für uns. Der Allgemeinheit
entzog das Schicksal dich ein Leben lang.

Und trotzdem nie verbittert, keine Klage
du sagtest einfach, deine Sterne stehn nicht gut.
Doch gaben dir dieselben Sterne ohne Frage
die Kraft zur Weisheit und unendlich Mut.

Mir flog das zu, was dir verwehrt geblieben
du hattest Größe und ich hatte Glück.
Du hast gemalt, gesungen, hast ein Buch geschrieben
und zogst dich in dich selbst zurück.

Du hast die Liebe zur Musik in mir geweckt
und ohne dich wär ich unendlich arm geblieben.
Du bliebst verkannt und hast dich still entdeckt,
ich war umjubelt und ich hab mich aufgerieben.

Das, was ich heute andern geben kann,
wäre nicht denkbar ohne dich.
Es ist dein unbeachteter Gesang
der in mir klingt und nie mehr von mir wich.

Und meistens sagt man erst zum Schluss
was man verdeckt in tausend Varianten schrieb:
wenn ich an meinen Vater denken muss
dann denk ich stets - ach Gott, hab ich ihn lieb.

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