Ein Nachruf auf Helmut Keller

24.08.2013

Helmut Keller, der Toningenieur des Team Musikon, ist gestorben.

Lieber Schwammerl, lieber Wegbegleiter, lieber Freund, jetzt läßt du uns also allein. Was sollen wir denn jetzt machen in San Martino ohne dein Schmunzeln, dein herzliches Lachen, deine Klugheit, deine sprichwörtliche Ruhe.

Dass du nicht mehr an deinem Tisch sitzt, an diesem Platz, der immer nur d e i n Platz war und immer der deine sein wird, dass du da nicht mehr sitzt, Schwammerl, ist eigentlich unfassbar. Wer soll mir jetzt den Wein nachschenken, mit wem soll ich über Gott und die Welt reden bis tief in die Nacht, mit wem soll ich nun alte Geschichten aus unserer so langen gemeinsamen Zeit wieder aufleben lassen? Sicher, Deine grossartige Frau wird dich würdig vertreten, aber ohne dich ist das Haus nun mal so schrecklich leer.

Was haben wir nicht alles erlebt, wir zwei, miteinander durchgestanden, Misserfolge und wunderbare Konzerte, das Team Musikon ist undenkbar ohne dich, viele Lieder sind in deinem Beisein entstanden und hätten ohne deinen Rat, deine Zustimmung und auch deine Ablehnung nie das Licht der Welt erblickt.

Jeder meiner Freunde, die das Glück hatten dich besuchen zu dürfen, ist begeistert von dir gewesen. Für alle, auch die neuen Musiker wie Julian oder Angelika Kirchschlager, ist dein Hinübergehn ein so schmerzlicher Verlust. So viele müsste ich aufzählen, die dich lieben.

Kein Mannsbild kenne ich, das so rührend tolerant und aufmerksam zu Kindern war, wie du. Die Kinder liebten dich, alle, und das zeigt was für ein gütiger Mensch du warst.

Dir geht es jetzt gut, mein alter Freund, da bin ich mir sicher, aber w i r müssen mit diesem schwarzen Loch leben, das du für immer hinterlassen hast.

Denn - den eignen Tod den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Andern muss man leben.

Ich weiß, dass du Gedichte mochtest und ein wunderbares Gefühl für Sprache hattest und deshalb will ich mich mit einem der schönsten Gedichte, die jemals in deutscher Sprache geschrieben wurden, von dir verabschieden. Es ist von Mascha Kaléko, und heißt Memento:

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang, Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.

Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
Und laß mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr; — Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur, Doch mit dem Tod der andern muß man leben.

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