Manche freilich...

07.04.2013

Liebe Freunde,

hier noch einmal der Text des vermutlich 1895 entstandenen Gedichtes von Hugo von Hofmannsthal: "Manche freilich..."

das meine Mitarbeiter als von mir gesprochene Version gerade auf facebook gepostet haben. Nur für den Fall, dass einer glaubt ich würde mich da vielleicht mit fremden Federn schmücken wollen...obwohl...mit diesen sprachlich grandiosen Federn hätte ich mich gerne geschmückt...


Manche freilich

Manche freilich müssen drunten sterben
wo die schweren Ruder der Schiffe streifen,
andere wohnen bei dem Steuer droben,
kennen Vogelflug und die Länder der Sterne.

Manche liegen mit immer schweren Gliedern
bei den Wurzeln des verworrenen Lebens,
anderen sind die Stühle gerichtet
bei den Sibyllen, den Königinnen,
und da sitzen sie wie zu Hause,
leichten Hauptes und leichter Hände.

Doch ein Schatten fällt von jenen Leben
in die anderen Leben hinüber,
und die leichten sind an die schweren
wie an Luft und Erde gebunden.

Ganz vergessener Völker Müdigkeiten
kann ich nicht abtun von meinen Lidern,
noch weghalten von der erschrockenen Seele
stummes Niederfallen ferner Sterne.

Viele Geschicke weben neben dem meinen,
durcheinander spielt sie all das Dasein,
und mein Teil ist mehr als dieses Lebens
schlanke Flamme oder schmale Leier.

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