Brauchen wir Jungs, die "noch männlicher" werden?

12.04.2013

Liebe Freunde,

ein kleiner Nachtrag zu meinem gestrigen Posting und eine kurze Antwort auf einige KommentatorInnen auf facebook, die der Meinung sind, die Aktion der Berliner Studenten sei undemokratisch gewesen.

Eine deutliche Mehrheit der deutschen Bevölkerung lehnt Auslandseinsätze der Bundeswehr jeder Art ab. Das passt sowohl der Rüstungsindustrie als auch der gesamten Wirtschaft und denen, die in der Bundeswehr das Sagen haben, nicht in den Kram. Man versucht uns schon seit langem klar zu machen, dass Deutschland erst "erwachsen" wurde, als es in Somalia, vor fast genau zwanzig Jahren in Belet Uen, mit dem ersten militärischen Einsatz der Bundeswehr im Ausland begann. Danach ging es Schlag auf Schlag. Kosovo, Bosnien, Afghanistan und jetzt Einsätze in Mali und der Türkei.

1992 sagte Volker Rühe, der damalige CDU Verteidigungsminister, erstaunlich offenherzig:
".... die in 40 Jahren gewachsenen Instinkte der Menschen, lassen sich nicht einfach weg kommandieren....deswegen müssen wir Schritt für Schritt vorgehen. Es geht darum nicht nur die Soldaten, sondern die ganze Gesellschaft auf diese Aufgaben vorzubereiten."
Diese Vorgabe wurde seitdem von vielen Medien und Politikern trefflich erfüllt.

In diesem Sinne suchte Thomas de Maizière im März 2013 die Öffentlichkeit und erklärte:
"Bei der jetzigen Generation, die viel an Chillen und Karriere denkt" empfehle er "schnörkellos: die sollen zur Bundeswehr kommen." Er könne aufgrund der "Erfahrung mit einem unserer Söhne" allen Betroffenen nur sagen:" Jungs" die zur Armee gehen, würden "plötzlich männlicher werden.(!!!) Damit meine ich das Verhalten, die Stimme, den Oberkörper und die Haltung".

Und gegen so jemanden soll man nicht mit Sprechchören gewaltfrei protestieren dürfen???

Horst Köhler musste gehen, als er als einziger unverschnörkelt die Wahrheit sagte:
"Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege...."

Brauchen wir wirklich Jungs, die in "Haltung und Oberkörper noch männlicher" werden, um den Konzernen die Handelswege zu sichern?

Oder bräuchten wir nicht eher sensible Männer und Frauen, die es einfach nicht übers Herz bringen, für die Ansprüche des Marktes Menschenleben als Kollateralschäden zu opfern?

Ich bleibe dabei: Es geht um strategische Rohstoffe und um die Krise des Kapitalismus. Das - und in keinem Fall die Wahrung der Menschenrechte, sind die Gründe für weitere schreckliche Kriege. Wie sonst wäre es zu erklären, dass die freie westliche Welt weiterhin mit Diktaturen wie Saudi Arabien zusammenarbeitet und prächtig an ihnen verdient?

Und sind nicht diejenigen, die am lautesten fordern, dass "unsere Jungs" für unser Land kämpfen sollen, zum großen Teil im Alter eines Herrn Maizière? Also alt genug um zu Hause zu bleiben, wenn die Jungen sich gegenseitig abschlachten?

Die meisten Informationen habe ich der "zeitung gegen den krieg" entnommen, die zu bestellen ich euch ans Herz legen möchte.

Im letzten Satz des Leitartikels der jetzigen Ausgabe heisst es:
"Apropos Oberkörper und Haltung: wir schlagen vor: Aufrecht gehen und Haltung bewahren. Insbesondere die in den letzten Jahrzehnten gewachsenen "Friedens-Instinkte" verteidigen! Nein zu Militarisierung und Rüstung! Nie wieder Krieg!"

www.zeitung-gegen-den-krieg.de

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