Von der Schwäche

12.11.2012

Liebe Freunde,

heute war ich im Erasmus Gymnasium Amberg zu Gast, weil ich gebeten wurde Pate zu sein für die Aktion: „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“.

Die Schüler haben sich in Seminaren und Workshops mit dem Thema Rassismus sehr intelligent auseinander gesetzt. Am Ende der Veranstaltung bat ich diese so engagierten jungen Menschen, sich für die Aussenseiter einzusetzen. Sie zu beschützen anstatt zu mobben und wenn sie sich selbst als Aussenseiter sehen, darauf stolz zu sein.
Lieber eine Jugend der Aussenseiter, als der Mitläufer.

Aber dazu gehört auch der Mut,sich selbst nicht nur im besten Licht zu betrachten, sondern in all der Unvollkommenheit, die uns Menschen nun mal ausmacht. Das bedeutet auch zuzulassen, dass man sich auf die Schliche kommt, die eigenen Selbstlügen immer wieder aufdeckt.

Diese Selbstreflektion ist kein Prozess um sich selbst zu kasteien. Im Gegenteil - das kann durchaus lustvoll sein! Je älter ich werde , umso wichtiger erscheint es mir, mich selbst nicht mehr so ernst zu nehmen, ohne dabei meine Ideen zu verraten. Der (nicht nur männliche ) Wahn , immer stark sein zu müssen, schwächt uns in Wirklichkeit. Gewalttäter sind meist verblendet von diesem Wahn und nur ihre Verzweiflung lässt sie zuschlagen. Die Verzweiflung darüber, dass sie nie schwach sein durften. Dabei kann schwach sein so schön sein. Sich nicht über alles stellen zu müssen, nicht alles besser wissen zu müssen, sich einfach mal in die eigene Unzulänglichkeit fallen lassen.

Das folgende Gedicht hab ich vor etwa 15 Jahren geschrieben:

Von der Schwäche

Wenn du, Freund, in satten Stunden
manchmal stille Einkehr spürst
meist zu kurz um Herrenrunden
zu verstören und du rührst

lieber an bekannte Witze
(wer dies schreibt kennt das so gut)
dann, ich rate dir, stibitze
diesen Herrn den hohen Mut.

Lass sie ruhig etwas darben
zwinge sie nur in die Ruh.
Besser zeigst du dich mit Narben
umso besser bleibst du Du.

Nie mehr will ich mutig scheinen
oder voll von Energie
wenn´s in mir beginnt zu weinen
und es nagt die Elegie

schon an meinen Spaßtiraden.
Ach ich hab das Starksein satt.
Der gereicht der Welt zum Schaden
der nicht auch der Schwäche hat.

(Konstantin Wecker
Jeder Augenblick ist ewig
Die Gedichte
dtv)

zurück