Das Recht der Entscheidung

20.11.2012

Liebe Freunde,

„Darf ein Arzt beim Sterben helfen“ war gestern Abend das Thema der Talkshow „Hart aber fair“.

Sehr einfühlsam beschrieb der Schweizer Unternehmensberater Bolinger das freiwillige Sterben seiner Frau mit Hilfe der Sterbehilfeorganisation „Exit“.

Wie sie schon lange beschlossen hatte, mit ihrer Erkrankung und der damit verbundenen Pflegeabhängigkeit nicht mehr leben zu wollen und wie sie nach einem langen Prozess ärztlicher Untersuchungen friedlich, ja sogar heiter aus dem Leben schied.

Worauf dem medienerprobten Kapuzinermönch Bruder Paulus nichts anderes einfiel, als mit stechend scharfer Stimme zu zischen: „Warum sollte Ihre Frau den Suizid mit Hilfe eines Arztes machen? Warum haben Sie ihr nicht eine Rasierklinge besorgt, mit der sie sich die Pulsadern aufschneiden kann?“

Ja warum, Bruder Paulus? Weil diese Frau sich bei vollem Bewusstsein für diese Art des Sterbens entschieden hat, und ihr Mann und ihre ganze Familie sie liebevoll begleitet hat bei ihrem Wunsch. Und weil die Kirche kein Recht hat auf das Leben eines Erwachsenen. Und weil ich es nicht mehr hören kann, dass diese Erde doch ein Jammertal sei, das man zu durchschreiten habe um dann - mit Hilfe eines Priesters und der Kirchensteuer selbstverständlich - ins Paradies zu schreiten.

Versteht mich nicht falsch: ich weiß um die Gefahr des Missbrauchs eines medizinisch herbeigeführten Sterbens, gerade in Hinblick auf unsere Geschichte.

Und ich bin stark engagiert für die Hospizbewegung. Dort werden Menschen beim Sterben begleitet und nicht zu Tode gebracht.

Aber ich bin auch Humanist genug, um dem Menschen das Recht der Entscheidung zu lassen, ob er dieses Leben noch erträglich findet oder nicht.

Und ein Mann der Kirche, der den ganzen Abend von Mitgefühl spricht, sollte vielleicht mehr Mitgefühl zeigen für Menschen, die sich den Dogmen dieser Kirche verweigern.

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