Prinz Chaos ...dass man sich wärmt in der Nacht

06.12.2012

Liebe Freundinnen und Freunde,

nun will ich noch einmal für einen Freund die Werbetrommel rühren.

Er hats verdient und manch ein Wecker-Konzertbesucher hat ihn mit mir auch schon auf der Bühne erlebt. Oder in Dresden, auf einem LKW, als wir singend mithalfen die Nazis am Marschieren zu hindern.

Ein kluger und poetischer, politisch hellwacher, eigenwilliger und eigensinniger, widerborstiger und dennoch zärtlicher, Anarcho - Prinz, mit dem mich auch eine echte Künstlerfreundschaft verbindet.

Er hat nun, als Vorgeschmack auf seine neue CD, auf meinem Liedermacher Label „Sturm und Klang“ eine CD mit vier Titeln veröffentlicht.

Zur Zeit war er übrigens auch auf meiner Schweiztour mit einem Song als Gast dabei!
youtube video

P.S:
bei Amazon gibts eine limitierte Ausgabe der CD für 5,69 !
...dass man sich wärmt in der Nacht
Prinz Chaos ||
Sturm und Klang

Hier kommt Prinz Chaos II. selbst zu Wort:

"Wohin treiben wir? Wir lenken schon lange nicht mehr, führen nicht, bestimmen nicht. Ein Lügner, wers glaubt. Schemen und Gespenster wanken um uns herum - taste sie nicht an: sie geben nach, zerfallen, sinken um. Es dämmert, und wir wissen nicht, was das ist: eine Abenddämmerung oder eine Morgendämmerung."
Kurt Tucholsky

Meine vielgeliebten Obertanen!
Seit einigen Tagen bin ich jetzt mit Konstantin, Band und Crew in der Schweiz unterwegs. Diese Tour ist reich an wunderbaren Erlebnissen musikalischer und menschlicher Art. Gestern hatten wir wieder ein wunderbares Konzert in Basel - und hinterher einen echten Moment der Wahrheit in Konstantins Garderobe.
Da saßen wir bei Weißwein oder Wasser oder Bier, die Musiker, dazu Martina und Christoph und Steffen von der Technik, Heiner - und Konstantin nahm den Faden eines Gesprächs wieder auf, das wir beide zuvor im Auto geführt hatten.

Ich hatte dabei meine These geäußert, dass das fortgesetzte Ausbleiben der Weltrevolution die Gefahr eines Weltputsches heraufbeschwöre. Konstantin outete sich daraufhin mit seiner Sorge, dass diese ganze Krisendynamik der letzten Jahre und Jahrzehnte auf eine autoritäre "Lösung" zusteuert und dass gerade das Internet dabei von einer Technologie der Befreiung zu einem gigantischen Unterdrückungs- und Überwachungsinstrument werden kann.

So bemächtigte sich uns gestern, nach dem Konzert, eine gewisse Ratlosigkeit. Es hatte etwas von Berlin, 1932. Vielleicht auch, weil im Gegenlicht der aufreizenden Intaktheit, die die wunderschöne Schweiz ausstrahlt, die katastrophale Bedrohung unserer Zivilisation umso greller aufscheint.

Jedenfalls sind wir gestern übereingekommen, dass ein taktisch motivierter Zweckoptimismus, so ehrenwert er sein mag, momentan keinerlei Sinn und Berechtigung mehr hat. Man muss laut und klar sagen, was ist. Und es ist Zeit, den Alarmknopf zu drücken und klipp und klar zu sagen, dass diese Menschheit sich in katastrophaler Gefahr befindet und allergrößte Not besteht, entschlossen, effektiv und vor allen Dingen: schnell!! das Ruder des Weltenschiffs herumzureißen.

Wie das geht? Ich weiß nur eines: Wer ein Ruder herumreißen will, muss es erst einmal in die Hände bekommen. Und der erste Schritt dazu kann nur sein, diejenigen von der Brücke zu jagen, die mit uns allen an Bord sehenden Auges auf ein gewaltiges Riff zusteuern.

Manchmal besteht eben die einzige Chance, sein Leben zu retten, darin es für die Rettung des Lebens zu riskieren. Dieses "manchmal" ist genau jetzt.

Bern, 6. Dezember 2012
prinz chaos II.

P.S:
Vor über 20 Jahren hab Konstantin in seinem Gedicht „Was man sich merken muss“ geschrieben:
„...doch was man sich vor allem merken muß:
Irgendwann hat es keinen Sinn mehr, sich zu verstecken.
Dann:
Kein Ticket nach Übersee,
sondern hierbleiben.
Brüllen.
Widerstehn.“

Ist halt doch ein Prophet der Wecker :)

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