Fürbitte eines Gefangenen

23.10.2012

Liebe Freunde,

diese Fürbitte eines Gefangenen beim Gottesdienst am Morgen nach unserem Konzert in der Strafvollzugsanstalt Garsten darf ich euch - nach Rücksprache mit dem Seelsorger - posten.

Mich hat dieser Text unglaublich gefreut und als ich ihn Jo gezeigt habe meinte er, wenn nur dieser Mann allein gekommen wäre, hätte es sich gelohnt dort zu spielen.

Diese Zeilen hat mir der Seelsorger weitergereicht:

Ich hatte ja am Sonntag in der Früh den Gottesdienst. Es ist üblich, dass ein Gefangener die Fürbitten vorbereitet, und ich war überrascht und erfreut, als einer die erste Fürbitte sprach:

"Am Freitag war da in der Kirche das Konzert mit Konstantin Wecker. Seine Lieder waren großteils gewaltig und mit einem besonderen Tiefgang, der Rest ein bisserl häfenbrüdertauglich ausgesucht. Aber diese Musik merkt man sich und steckt sie in sein Gedächtnis, ganz anders als der Lärm der vielen aktuellen Superstars, deren Analphabetentexte man schon während der Aufführung vergisst.

Was dieser Konstantin Wecker auch schaffte, er hat sich sofort mit uns solidarisiert weil er ja selber schon zweimal Hafterfahrung gesammelt hat. Prominent sein bringt im normalen Leben etliche Vorteile, im Gefängnis aber sicher nicht, denn zu viele finden es ganz o.k., wenn so ein Bekannter mal auch seine Bandscheiben im Eisenbett austesten muss.

Was wir uns alle von ihm abschauen können ist, die Kurve, die er ins normale Leben zurückgeschaftt hat, weil er es denen, die meinten, so das war`s mit dem großen Künstler, noch einmal zeigen wollte.

Machen wir uns ihn zum Vorbild, aber bitte, bitte nicht beim Singen, sondern überall dort, wo es uns möglich ist mit dem eigenen Willen und Wollen nach der Entlassung noch etwas zu erreichen, damit auch wir nachher noch einmal so verschmitzt lachen können wie er.

Herr wir bitten dich erhöre uns."

Soweit die sonntägliche Fürbitte eines Insassen in unserem Gottesdienst.

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