Zwischenruf aus dem Urlaub

08.09.2012

Liebe Freunde,

ein kleiner Zwischenruf aus dem Urlaub:
„Wir stehen in einer Phase des Übergangs von unserem existierenden Weltsystem, der kapitalistischen Wirtschaft, zu einem anderen System oder anderen Systemen“, schreibt Immanuel Wallerstein, der große alte amerikanische Sozialwissenschaftler.

Nun darf allerdings dieses System in der veröffentlichten Meinung nicht in Frage gestellt werden und so gibt man sich lieber obskuren Untergangsfantasien hin, als die immense Chance zu nutzen, die uns dieses offensichtliche Sterben des kapitalistischen Gesellschaftsystems bietet.

Nur zur Erinnerung: gerade mal zwei Jahrhunderte ist es her, dass sich dieses Wirtschaftssystem in den europäischen Kernländern voll durchsetzte, aber nun hat die herrschende Ideologie den Kapitalismus zu einer ewigen, natürlichen Existenzvoraussetzung der Menschheit erklärt. „Ein Leben jenseits von Markt, Staat, Geld und Konkurrenz scheint inzwischen vielen Menschen undenkbar, obwohl sich der überwiegende Teil der menschlichen Geschichte jenseits dieser Vergesellschaftungsformen abspielte.“ (Tomaz Konicz)

Also will man uns einbläuen, dass mit der Krise des Kapitals die Natur aus den Fugen gerät und die Welt zu Ende ist.

Dabei hätten wir nun endlich die Möglichkeit über andere Modelle nachzudenken, mitzugestalten mit vielen phantasievollen Menschen an einem menschlicheren und gerechteren Miteinander.

Wie schreibt Wallerstein doch so schön: “Es wird auch eine Zeit sein, in der der Faktor des freien Willens zum Maximum gesteigert wird, was bedeutet, dass jede individuelle und kollektive Handlung eine größere Wirkung beim Neuaufbau der Zukunft haben wird als in normalen Zeiten, also während der Fortdauer eines historischen Systems.“

Das macht doch Mut finde ich, Mut sich zusammen zu tun, um endlich wieder mal die Welt neu zu erfinden, vielleicht sogar zu gestalten.

Und wem das nun zu pathetisch ist - ich kanns ja verstehen. Mein alter Fehler. Aber warum sollten wirs nicht besser so rum versuchen, als uns in Weltuntergangsstimmung gegenseitig zu bewehleiden.....

(Zitate aus dem ausgezeichneten Essay : „Geschäftsfeld Panik“ von Tomas Konicz)

alles Liebe
euer
Konstantin

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