GEMA und YouTube

07.07.2012

Liebe Freunde,

in den letzten Monaten wurde sehr viel über die Vorgehensweise der GEMA gegenüber Musikverwendungen auf der Plattform YouTube geschrieben und diskutiert. Da auch ich als Autor sowohl Mitglied der GEMA bin, als auch mit meinen Liedern auf YouTube stattfinde, möchte ich Euch ein paar Denkanstöße geben.

YouTube ist eine gute und mittlerweile fast unverzichtbare Plattform um Kunst - manchmal auch Unsinn - zu transportieren und zugänglich zu machen. Dies steht für mich außer Frage.

Und wie ich es schon mehrmals erwähnt habe, freue ich mich, wenn meine Lieder und Texte verbreitet werden von Künstlern, die sie in Videos umwandeln oder auch ihre eigenen Interpretationen aufnehmen. Und ich habe noch nie Geld gefordert oder mich beschwert, es sei denn, man hat an meinen Texten und Musiken rumgeschnippelt, um ihren Sinn ins Gegenteil zu verdrehen.

Allerdings ist für Komponisten und Texter die Verbreitung Ihrer Kunst auch deren Lebensgrundlage und nicht selten, gerade für auch für nicht so erfolgreiche KünstlerInnen, die einzige Verdienstmöglichkeit – ihr Gehalt, der Lohn für ihre Arbeit, ja oft die einzige Existenzsicherung.

Die französische Revolution, beeinflusst von den Gedanken Rousseaus, erkämpfte das Recht am geistigen Eigentum und ich sehe keinen Grund, diesen Fortschritt wieder rückgängig zu machen. Allerdings ist es richtig, sich auf die neuen Medien zeitgemäß einzustellen.

Daher ist es aus meiner Sicht auch nicht verwerflich, von einem Konzern wie You Tube (GOOGLE), welcher extrem hohe Gewinne mit der Möglichkeit der Bereitstellung von Kunst erwirtschaftet, einen angemessenen Anteil für die schaffenden KünstlerInnen zu fordern.

Denn die Gewinne des Unternehmens werden größtenteils durch diese Kunst möglich.

Und genau darum geht es bei dem Rechtsstreit, den die GEMA mit YouTube führt.

Man sollte sich dabei bewusst sein, dass die GEMA ein Verein ist, ein Verein der den Mitgliedern gehört und rechtlich verpflichtet ist, für seine Mitglieder die Wahrung des Urheberrechts zu gewährleisten und dementsprechend für die Rechte der Autoren und ihre Alterssicherung (!) einzutreten. Sicher, vieles ist auch hier veränderungs- und verbesserungswürdig, das steht außer Frage. Und dafür werde ich mich auch einsetzen.

YouTube hingegen ist ein Konzern, dem es mittlerweile ausschließlich um Profitmaximierung geht.
(Trotzdem kann man sich an You Tube erfreuen. Ich freu mich ja auch, wenn ich eine Halbe Augustiner trinke, wohlwissend, dass Augustiner kein Benefizunternehmen für notleidende Bierfreunde ist.)

Das klare Ziel der GEMA besteht also definitiv darin, eine angemessene Vergütung für Musikurheber zu erreichen, nicht Videos zu sperren oder die Nutzer zu belangen. Das sollten bitte alle GEMA Gegner bedenken.

Kunst soll weiterhin Ihren Weg finden – GEMA und YouTube wollen nun wieder verhandeln – und das ist auch gut so!

P.S.:
Vielleicht noch eine Bemerkung am Rande: sollte ab morgen der utopische Zustand einer klassenlosen Gesellschaft verwirklicht werden, in dem es für niemanden mehr ein Eigentum gibt, bin ich ab morgen bereit auf jedes geistige Eigentum freudig zu verzichten.

PP.S.:
Und als ich meinen Söhnen, die wie so viele Jugendliche alle Möglichkeiten gerne nützen würden unwissend aber illegal an Videos und Mp3s ranzukommen, zu erklären versuchte, was es mit dem geistigen Eigentum so auf sich habe, vergesellschaftete ich mal kurz ihren Computer. Erstaunlich wie schnell der Eigentumsbegriff verstanden wurde....

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