Ergänzung zur GEMA / Laudatio für Hannes Wader (mit Audiodatei)

10.07.2012

Liebe Freunde,

vielen Dank für die vielen Anregungen und die rege Anteilnahme zu meinem letzten Beitrag über GEMA und You Tube.

Wenn auch viele Kommentatoren anderer Meinung waren als ich - das gehört zu einem Dialog nun mal dazu. Ich werde mich dazu sicher auch nochmal äussern, zumal ich glaube, dass man in einigen Punkten auch offene Fragen klären kann und vielleicht auch jungen Künstlern ein paar Tipps geben kann.

Aber nun noch einmal zu meinem Freund Hannes Wader, der am letzten Samstag einen hochverdienten Preis für sein Lebenswerk bekommen hat.

Aus mir nicht ganz verständlichen Gründen wurde ohne mein Wissen dieLaudatio gekürzt - ich konnte sie nicht selbst halten, da ich im Kloster Banz einen Auftritt hatte.

Hier nun die ungekürzte Fassung für alle FreundInnen des Preisgekrönten:
Laudatio Hannes Wader

Lieber Hannes, lieber Freund,

als ich vor etwa vierzig Jahren zum erstenmal deine Lieder hörte, war ich von dieser Sekunde an dein Bewunderer und ich hätte mir nie vorstellen können, dass wir irgendwann einmal gemeinsam auf einer Bühne stehen könnten. Und was waren das für tolle Konzerte! Grade jetzt in Berlin haben wir endlich wieder mal zusammen gesungen, als Trio, mit der großartigen Dota Kehr. Zwar in einem winzigen Fernsehstudio, und nur ein paar Lieder - aber immerhin! Und da wurde ich ehrlich gesagt ein bisserl sentimental und mir kamen so viele wunderbare Momente unserer Tourneen in den Sinn, zärtliche, witzige, zornige, verspielte - ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass wir das nicht doch noch irgendwann einmal wiederholen sollten.

Du bist jetzt unfassbare 70 alter Freund, und vielleicht sollten wir deinen Achtziger mal ins Auge fassen, wenn wir es dann noch auf die Bühne schaffen. Aber du weisst es ja selbst, kaum ist man auf diesen Brettern, die unser halbes Leben unser Grund waren, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn, kaum ist man auf diesen Brettern, die, um noch ein Klischee zu bedienen, auch für uns natürlich die Welt bedeuten, kaum steht man also auf dieser Bühne und spürt die Erwartung des Publikums, dann gibts für ein paar Stunden kein Alter mehr, kein Gebrechen, eigentlich gar keine Zeit mehr und deshalb bin ich mir sicher du wirst noch ganz schön lange eine "bella figura" abgeben mit deiner Gitarre, deren 6 Seiten, wie wir nun alle wissen, dir schon viel zu opulent und pathetisch sind. Und du wirst uns mit deiner Aufrichtigkeit, deinem trockenen Humor, der uns alle so leicht über die Tour-Wochen getragen hat, und deinen poetischen und klugen Texten weiterhin begleiten und Vorbild sein.
Was hast du doch für großartige Lieder geschrieben. Manchmal war ich so begeistert, dass ich nicht umhin kam dich ein bisschen zu beklauen, ganz im Brechtschen Sinne - denn wenn was so gut ist, warum soll man versuchen es noch besser zu machen.

Du bist ein wunderbarer Sänger, das weißt du, begnadet mit einer Stimme , die immer ans Herz rührt.Und was mir nie gelungen ist, du hast es geschafft: deine Lieder werden noch heute gesungen, nicht auf den großen Bühnen, sondern bei Festen, am Lagerfeuer, bei politischen Veranstaltungen oder oft auch nur zu Hause , im stillen Kämmerlein. Ja, du bist ein Volkssänger, dem man vertrauen darf, denn deine Lieder sind zwar oft einfach, aber nie banal, und sie biedern sich keiner Volkstümlichkeit an.

Oft wundert mich, aus welchem Hut du diese Melodien zauberst, die einen so lange begleiten und immer wieder als Ohrwürmer wiederkehren.

Und ein Poet bist du auch und ich halte viele deiner Songtexte für Gedichte, die mit zum Besten gehören was in der deutschen Literatur geschrieben wurde.

Du kannst durchaus auch anstrengend sein, ein unsäglicher Sturkopf, ein Grantler gar, wie wir in Bayern sagen würden.

Aber auch wenn du dich selbst gar nicht so als einen Menschenfreund betrachtest - ich habe diese Liebe zum Mitmenschen immer gepürt bei dir und sie ist auch in den kritischsten Texten deiner Lieder zu spüren.

Wie sollte man den Menschen auch eine gerechtere Gesellschaft herbei singen wollen, wenn man sie nicht im Grunde seines Herzens lieben würde?

Ja, es gibt Feinde, und die werden in deinen Liedern auch genannt, Nazis zum Beispiel, die die abgeschmackte Unverschämtheit besessen haben, deine Lieder zu singen.

Als wären deine Texte auch nur irgendwie kompatibel mit dieser menschenverachtenden Gesinnung, die dir immer schon ein Gräuel war.

Man hat uns immer das ach so gegensätzliche Sängerpaar genannt.

Aber wir beide wissen doch, dass das in einigen Punkten zwar stimmen mag, aber in Wirklichkeit doch nur einer oberflächlichen Betrachtung standhält.

Denn eigentlich wollen wir mit verschiedenen Mitteln dasselbe. Wir haben dieselben Träume und dieselbe Hoffnung, wir stecken - jeder auf seine Weise - unsere Niederlagen ein und versuchen dann doch immer wieder aufzustehen.

Ich hab also durch die Arbeit mit dir nicht nur das große Vergnügen gehabt meinem Idol nahe zu sein, sondern mich auch noch mit dir befreunden zu dürfen.

Und jetzt lass ich dich in Ruhe, denn ich weiß, dass dir zu viel Lob ganz schön auf die Nerven gehen kann.

Aber - lieber Hannes - da muss man halt an seinem 70ten einfach durch.

Ich verspreche dir - es kommt wieder vor. Spätestens wenn wir wieder zusammen singen und ich dir - wie so oft euphorisiert von unseren Konzerten - noch beim Verbeugen auf der Bühne zuflüstere: Großartig Hannes!

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