Gespräch am Flughafen

21.06.2012

Um es vorweg zu sagen, ich habe nichts gegens Fliegen. Irgendwann wird es nicht mehr möglich sein, weil der Sprit ausgeht, aber bis dahin werde ich weiterhin auch Strecken fliegen, die ich mit der Bahn aus Zeitgründen nicht bewältigen kann.

Aber ich habe was gegen größenwahnsinnige Projekte, die in wirtschaftlichen Notzeiten auf Schulden aufgebaut noch mehr Schulden verursachen, während sich bestimmte Kreise an Provisionen und Schmiergeldern dumm und dämlich verdienen. Man verspricht uns wie immer Wirtschaftswachstum, aber wenn irgendetwas nicht so funktioniert, wie es uns die Experten vorgaukeln, wird eben doch wieder der Steuerzahler zur Kasse gebeten.

Versprochen!

Heute, Flughafen München, ich werde gezwungener Weise in der Warteschlange Zeuge eines Gesprächs dreier ziemlich junger, ziemlich lauter und augenscheinlich ganz schön selbstbewusster Anzugträger.

„Ich kann die Münchner nicht verstehen. Man sollte allen, die keine Ahnung von Wirtschaft haben das Wahlrecht entziehen.“

„Die können ja gerne abstimmen über Rauchen oder Nichtrauchen oder meinetwegen Tempo 30 in der Stadt, aber doch nicht, wenns ums Geld geht.“

„Meine Rede. Mit Laien, Ökos und Linken ist einfach kein Staat zu machen.“

„Direkte Demokratie, wenn ich den Quatsch schon höre.“

„Macht euch keine Gedanken. Die Startbahn wird gebaut. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“

„Der Söder hats doch auf den Punkt gebracht: Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Die Planungen werden unverändert fortgeführt.“

Wir sind an der Rolltreppe angelangt. Sie sehen mich aufmunternd an, ziemlich sicher, ich sei ein Gesinnungsgenosse.

Ich versuche cool zu bleiben und antworte geschäftsmännisch und wie nebenbei:
„Ja, langsam sollte man sich doch überlegen, ob die Demokratie noch die geeignete Staatsform ist.“

Es sollte ein Witz sein, aber die Herren nickten zustimmend.
„Nur leider hat keiner den Mut das öffentlich auszusprechen“, meint einer.

Kommt noch, denk ich mir und verdrücke mich grußlos.

Ach ja - in Wien sah ich neulich ein Graffiti, das mich lautstark losprusten ließ:„Kapitalismus war als Kind schon Scheiße“

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