Eine Revolution des Geistes

28.06.2012

Was hilft der Zorn auf Ungerechtigkeiten, wenn er einzig beweisen soll, wie gerecht man selbst ist?

Was hilft es, etwas besser zu wissen, wenn man dadurch zum Besserwisser wird?

Was darf man vom Anderen fordern, nur weil man glaubt im Vollbesitz der Wahrheit zu sein?

Ich wünsche mir eine Revolution, aber eine Revolution des Geistes, getragen von Vernunft und der Weisheit der Poesie und nicht von der Kurzatmigkeit selbstherrlicher Ideologien.

So wichtig es ist, sich zu engagieren, sich einzumischen, teilzunehmen, so notwendig ist es auch, sich immer wieder selbst zu hinterfragen, ob man überhaupt noch zum Mitfühlen fähig ist.

Es ist die Kunst, die uns mit ihren Bildern des Unbewussten, Nichterklärlichen, nicht Auszudeutenden die Richtung weist, um die Anbindung unseres Denkens an unser Herz nicht zu verlieren.

Die uns hilft unsere Vorurteile zu erkennen, uns selbst zu finden.

Die Kunst lässt uns das Zuhören wieder lernen, ein aktives Zuhören, das am Ende immer auf uns selbst verweist.

Wer sich ausschließlich in intellektuellen und politischen Konzepten verliert, läuft Gefahr seine Empathie zu verlieren.

Wer nicht mehr bereit ist, die Schönheit der Kunst als Nahrung der Seele zuzulassen, kann leicht zu einem politischen Eiferer mutieren.

Alle Diktaturen, alle Ideologien gehen Hand in Hand mit der Beschränkung der kulturellen Vielfalt. Despoten ist Kunst ein Gräuel, denn sie könnte sie daran erinnern, in sich zu gehen. Sie könnte Seiten in ihnen zum Klingen bringen, die sie schon lange als lästiges Beiwerk abgelegt haben.

Wie viel einfacher ist es da, einem Regelwerk zu folgen, das zwar willkürlich ist, aber wenigstens in sich stimmig scheint.

Ja, ich bin dafür radikal etwas zu ändern an dem Zustand dieser Gesellschaft, aber nie um den Preis, dabei ein liebevollen Miteinander aus den Augen zu verlieren. Wenn nicht das, wenn nicht die Liebe die Basis und auch das Grundanliegen einer neuen, dringend notwendigen Revolution ist, bin ich nicht mehr dabei.

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