We love you - Israel and Iran!

06.04.2012

Als mir eine Freundin dieses Video schickte, war ich wie elektrisiert und hatte das Gefühl, in dieser Zeit der Schuldzuweisungen und des Kriegsgerassels etwas wirklich Neues zu erleben. Vielleicht den Beginn einer neuen Bewegung, die ich, als alter, streitbarer 68er, bis jetzt nicht so erlebt habe.

Den Auftakt einer Bewegung, die alle Dummheiten der Weltpolitik aus einem Gefühl der Liebe heraus vielleicht irgendwann zum Wanken bringen könnte.

Kein Prominenter - ein no name, ein israelischer Familienvater und Lehrer, lässt sich in seinem Arbeitszimmer filmen und verbreitet eine ebenso schlichte wie wunderschöne Botschaft an die Menschen Irans: We love you! Wir wollen euch nicht bombardieren. Wir sollten euch hassen, tun es aber nicht.

Viele Entscheidungsträger und Meinungsverbreiter von Entscheidungsträgern werden jetzt aufjaulen, das sei doch naiv, so könne man doch keine Politik machen.

Aber sie haben nur Angst, sich ihrer alten Denkstrukturen zu entledigen.

Jetzt, wo man mit einem geradezu hysterischen Aktionismus versucht den Nobelpreisträger Günter Grass zu vernichten, und ihm auch viele, die ihm noch nie das Wasser reichen konnten,versuchen, nicht nur Anstand, sondern auch Verstand absprechen - jetzt sieht man nur allzu deutlich, wie gefährlich die Lage wirklich ist. Ich bin in den letzten Jahrzehnten hellhörig geworden, wenn die Kriegstrommel gerührt wird, und wenn ich sehe, wie sich die politischen Meinungen zum diesem Thema an Selbstherrlichkeit und Selbstgerechtigkeit zu übertreffen versuchen, wird mir Angst und bang.

Ich frage mich immer wieder, und nicht erst seit ich 2003 im Irak war, ob sich denn all jene, die nun vehement Krieg fordern, klar sind darüber, was das bedeutet für die, die direkt daran beteiligt sind?

Es ist bequem im Sessel zu lehnen und einen Einmarsch zu fordern.

Aber was bedeutet es für diejenigen die einmarschieren? Und für all die Frauen und Kinder, die zufällig am falschen Platz ihr zu Hause haben?

Was auch immer Grass bewogen hat, dieses Gedicht zu schreiben, bei dem ich meine poltischen Vorstellungen in einigen Punkten nicht wiederfinden kann - er mischt sich ein, und mein Respekt vor dem Lebenswerk und der politischen Bedeutung dieses Mannes verbietet mir in das überhebliche Wolfsgeheul mit einzustimmen.

Seine Kritiker, die jetzt alle meinen die Wahrheit gepachtet zu haben, weisen ja auch keinen Weg zum Frieden. Sie können nur in kriegerischen Mustern denken.

Und manche Kommentare hinterlassen bei mir den fahlen Beigeschmack, als wolle man ein für allemal klarstellen, dass kritische Künstler gefälligst zu schweigen hätten. Denn „von Politik haben sie ja keine Ahnung...“

Es ist so ein eitles Gegockel im Moment im Gange, dass einem diese so normale und bescheidene Geste eines israelischen Bürgers das Herz erwärmt.

Und es ist gerade die viel belächelte Naivität der Friedensbewegung, die mich, als bekennenden Pazifisten, immer angezogen und begeistert hat. Es ist die Naivität und die Weisheit von John Lennons „Imagine“, die unsere Welt verändern kann in dem Sinne wie ich mir das erhoffe, und es ist eben auch die offene Herzlichkeit dieses Videos, die mich weiter hoffen lässt.

Wenn ich diesen Glauben nicht mehr hätte, dass uns solche Aktionen einer friedlichen Welt näher bringen, dann würde ich aufgeben.

Und das will ich nicht!
Ich fände es schön wenn ihr das Video teilen würdet.
We love you - Israel and Iran!
Und das, was viele Iraner antworteten wollen auch wir:
We don‘t want war
we want:
peace
bonds
travel
friendship!

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