Kein Zweifel - ich bin verliebt!

02.05.2012

Liebe Freunde,

kein Zweifel- ich bin verliebt! Verliebt in die Lieblingstochter des Zeus, die kampfesfreudige Athene, Göttin der Weisheit und Beschützerin der Stadt, die mich gestern so fasziniert hat: Athen.

Ärgerlich, dass ich so alt werden musste, um endlich der Schönheit dieses Landes und seiner Menschen zu begegnen. Aber es ist ja hoffentlich nicht zu spät.

Diese unglaublich lebendige und schöne Stadt hat mich verzaubert, und nachdem mir Mikis Theodorakis über zwei Stunden aus seinem Leben erzählt hatte, einem Leben, das Stoff für mehrere Leben böte, nachdem er lebendig und ungebrochen von seinen Kämpfen im Widerstand gegen die Deutschen Besatzer im zweiten Weltkrieg und die Militärdiktatur, machte er mir klar, dass es sich die Griechen nicht gefallen lassen dürfen, sich nun auch noch von der Deutschen Bank und ihren Gesinnungsgenossen besetzen zu lassen.

Was für ein Leben! Immer im Dialog mit Kunst und Politik, im Dialog mit sinfonischen Klängen und Volksmusik, mit erbitterten Feinden und begeisterten Liebhabern seiner unsterblichen Musik.

Auch wenn ihm, dem 87 jährigen, das Gehen mittlerweile schwer fällt - den aufrechten Gang hat er sich bis heute bewahrt.

Ich habe auf seinem Flügel "wenn der Sommer nicht mehr weit ist" spielen dürfen, hinausblickend auf die Akropolis, denn seine Wohnung liegt am Fusse dieser Kulturstätte, von der sein Freund Manolis Glezos am 30. Mai 1941 die Hakenkreuzfahne abgerissen hat.

Am Nachmittag spielten wir in Kaiserani mit meinen Freunden Henning Zierrock und Heike Hänsel von "Kultur des Friedens" sein "Lied der Lieder" aus der Mauthausenkantate.

Denn am ersten Mai 1944 metzelten dort die Nazis hunderte von Widerstandskämpfern nieder, aus Rache für eine toten General. Reparationszahlungen gibt es bis heute nicht für dieses Massaker.

Diese Demonstration von über tausend Griechinnen und Griechen war zugleich ein Aufbegehren gegen die europäische Finanz- und Kriegspolitik, die Länder wie Griechenland systematisch in den Ausverkauf treibt und dadurch neofaschistische Gruppen wieder aufleben lässt.

"Wir sind alle Griechen" sagte Heike vor einigen Wochen im Bundestag. Und deshalb nannte man sie hier auch Madam " imaste oli ellines".

Und vor allem seit ich gestern von so vielen warmherzigen GriechInnen umarmt wurde kann ich das nur wiederholen. Wir sind alle Griechen und Italiener und Portugiesen und Spanier - denn so, wie Theodorakis und Pablo Neruda mit ihrem "Canto General" ein Werk schufen, das die Grenzen überwindend Menschen zweier Kontinente miteinander verband, brauchen wir ein Europa der Kultur und der Kulturen, anstelle eines Europas der Banken und der Kürzung aller sozialen Errungenschaften.

Wie Brecht schon sagte: "Kultur ist das Vergnügen die Welt zu verändern."

Zu mehr Menschlichkeit und Poesie möchte ich hinzufügen.

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