Mit Wut und Zärtlichkeit in den Sommer

11.08.2011

Liebe Freunde!

Nun möchte ich mich bei euch allen herzlich bedanken für diesen ereignisreichen Tourneesommer, für die Konzerte mit Hannes und mit den Spring Strings, natürlich auch für die Filmpremiere der Dokumentation unserer Tournee. Und um wieder einmal so richtig pathetisch zu werden: es ist ein großes Glück, so ein treues Publikum zu haben!

Nach wie vor empfinde ich es als Geschenk, meine Gedichte und Lieder so vielen Menschen vortragen zu dürfen und damit auch noch meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Oft werde ich gefragt, woher ich die Energie nehme, die man zweifelsohne braucht um solche Konzerte zu gestalten. Viele denken wohl, Lebensenergie sei wie ein voller Rucksack, der einem bei Geburt mitgegeben wird und dann von Jahr zu Jahr leichter wird.

Aber ich glaube, Energie ist immer verfügbar und immer wieder für den zugänglich, der sich öffnet. Deshalb halte ich es für so wichtig neugierig zu bleiben, staunend, uncool, angreifbar, verwundbar. Wer sich verschließt und in seiner Maske erstarrt, kann nicht teilhaben am großen Lebensfluss.

Gleichzeitig ist man natürlich auch etwas wehmütig, dass schon wieder ein Lebensabschnitt zu Ende geträumt ist. Hat mich die Vergänglichkeit mit 20 gerade noch intellektuell interessiert, so ist sie heute ein Teil meines Wesens geworden. Das trägt zwar dazu bei, sich dem Augenblick intensiver hinzugeben, beschützt einen aber nicht vor Sentimentalität. Ich habe mir die Hoffnung abgeschminkt, eine Weisheit zu erlangen, die schmerzfrei macht. Ich glaube (jedenfalls für mich) zu wissen, dass der Schmerz und die Unzulänglichkeit zum Leben - nun ja, wenigstens zu meinem Leben gehört. Sich dem zu stellen ist wohl eine der Exerzitien des Alters.

Vielleicht versteht man jetzt etwas besser, warum es mich immer noch so vehement auf die Bühne treibt. Diese drei Stunden voll Improvisation, Zwiegespräch mit dem Publikum, Schwelgen in Melodien, diese Stunden in denen man auch seiner Wut eine Stimme geben, gemeinsam mit vielen hunderten Menschen eine gerechtere Welt schaffen kann, diese Stunden voll Liebe und Tod sind für mich zeitlos, weil sie außerhalb der Zeit sind.

Sie schleudern geradewegs in ein Universum ohne Altersbeschränkung, in ein Universum ohne Vergangenheit und Zukunft, in ein Universum des Jetzt. In diesen drei Stunden kann ich den lästigen Gedankenblasen entfliehen, die einen zeit seines Lebens unabschaltbar belästigen.

Zweifellos kann Denken schön sein. aber nur wenn man selbst denkt und nicht wenn ES einen denkt. Und ehrlich gesagt, wann sind wir denn schon wirklich Herr unserer Gedanken und wann beherrschen unsere Gedanken uns? Wie schon der Buddha sagte: die Gedanken sollten der Wagen sein, nicht der Wagenlenker.

Nun werde ich mich für einen Monat verabschieden, ich fliege mit meiner Familie nach Bali, auf die Insel, die mich schon seit meinem dreißigsten Lebensjahr in ihren Bann zieht. Damals habe ich einen Zauberer aufgesucht - ich hab das in meinem ersten Roman „Uferlos“ ausführlich beschrieben - nun werd ich mich lieber von den liebenswürdigen Menschen dort und der unvergleichlichen Landschaft verzaubern lassen.

Und im Herbst geht´s ja schon wieder weiter mit „Wut und Zärtlichkeit“ und ich hoffe euch dann wieder zu sehen, auf der Bühne, vor der Bühne, einige auch hinter der Bühne, am Büchertisch oder in irgendeiner Kneipe nach dem Konzert.

Meine Administratoren oder manchmal auch ich werden weiterhin auf facebook posten. In ein paar Tagen wollen wir euch noch ein Video vorstellen. Es ist bei unseren Proben in der Toscana entstanden und erzählt von Venus, Hades und der Liebe.

Ich wünsche euch allen einen herzerfrischenden August.
Euer Konstantin

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