Eine kleine Anmerkung für die Opernfreunde

20.11.2011

Liebe Freunde,

erlaubt mir eine kleine Anmerkung für die Opernfreunde unter euch.

Seit ich ein kleiner Junge bin, kenne ich die Stimme von Jussi Björling. sie ist mir fast so vertraut wie die schöne Tenorstimme meines Vaters. wir beide liebten diesen in Deutschland relativ unbekannten schwedischen Magier, der für mich mit dem schönsten Timbre der Welt gesegnet war. Nie wieder konnte ich diese Sehnsucht, dieses Flehen, diese Unschuld in einer Männerstimme entdecken. Sicher, diese Liebe zu ihm hat sehr viel mit meiner eigenen Kindheit zu tun und es gibt und gab natürlich viele andere ausgezeichnete, überragende Tenöre - aber (man vergebe meine Sturheit) nur einen Björling! Seine vollendete Technik machte ihn zum heimlichen Vorbild für fast jeden Belcantosänger, seine Musikalität in Verbindung mit seiner nie auch nur annähernd fehlerhaften Intonation ist meineserachtens unerreicht. (Sänger die mit ihm auf der Bühne standen, sprachen davon, dass es ihm unmöglich war auch nur einmal nicht völlig richtig zu singen!). Seine Gestaltung von Schubert oder Beethovenliedern ist nicht unumstritten, mir aber gefällt sie, vor allem weil Björling so gar nicht deutsch das deutsche Lied interpretiert. Die Vollendung des Tones ist ihm das Wichtigste und das wäre zu wenig, wenn er dabei nicht trotzdem seine ganze - am Ende so verängstigte - Seele in jeden auch noch so kurzen Ton gelegt hätte. Jedes Sechzehntel hat Bedeutung, nichts ist beiläufig. Klar Freunde, das ist Operngesang, kein Soul, kein Blues, keine heiseren Urschreie, die oft so packend sein können. Björling steht für die Vollendung einer Gesangstechnik, die vielleicht irgendwann mit dem letzten Jahrhundert auch verschwinden wird. Es gibt heute Mikrophone die selbst gehauchte, heisere Klänge über ein ganzes Orchester tragen können. Nicht zuletzt profitiere ich mit meiner reichlich unvollendeten Gesangstechnik jeden Abend davon.

Aber es lohnt sich doch immer wieder mal einzutauchen in diese wunderbar vollendete Klangwelt und eine Musik, die einen manchmal direkt auf einer Tonleiter in den Himmel führt.

Während ich das schreibe - im ICE Richtung Basel - höre ich gerade zum dritten Mal "Nessun dorma" und kann immer noch nicht genug bekommen von diesen Klängen, die ich schon tausendmal gehört habe. wie ihr seht schlägt auch in meiner Brust ein manchmal ganz schön konservatives Herz...
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P.S.: Wer mal ein bisschen schnuppern will - auf youtube gibts einige schöne Kostproben seiner Kunst. kaum ein Sänger seiner Zeit hat übrigens so ein umfassendes Werk auf Tonträgern hinterlassen.

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