Die Neujahrsnotizen!

30.12.2010

Liebe Freunde!

Künstlerisch war das Jahr 2010 für mich geprägt von einer Wahnsinnstour mit Hannes Wader, den hinreissenden Konzerten mit dem String Spring Quartett aus Linz und meinem sich ewig wandelnden Programm "Leben im Leben" mit Jo Barnikel. Dazu kamen eine ganze Menge Einsätze als Schauspieler. Und das ist eine Entdeckung für mich, wie viel Freude mir das Schauspielen für Fernsehproduktionen wieder bereitet. Das ist eine ganz andere Art des künstlerischen Ausdrucks - und zum Beispiel einen widerlichen und zu allem Überfluss noch kunstbeflissenen Standartenführer darzustellen, war nun wirklich eine sehr grenzgängerische, emotionale Erfahrung. Nach vierzig Jahren Antfaschismus musste ich in die Uniform eines SS-Schergen schlüpfen und konnte erleben wie einen allein schon das Tragen einer Uniform verändern kann... mir ist aber nix geblieben.

Politisch war es ein Jahr, in dem sich eine neue, massenhafte Protestkultur etabliert hat. Angefangen hat es im Februar, mit den Anti-Nazi-Blockaden in Dresden. Und diese Mischung aus radikaler Entschlossenheit und konsequenter Gewaltfreiheit war für mich eine direkt erlösende Erfahrung - weil es eben doch friedlich geht, weil das tatsächlich klappen kann! Auch gegen gewaltgeile Nazis!

Dann die riesigen Demos gegen den Atomdeal, gegen Stuttgart21, gegen den Castor-Transport ... es hat sich schon eine Menge gerührt 2010. Aber leider muss ich sagen: der soziale Protest fehlt! Da werden den Banken Unsummen nachgeschmissen, eine selbsternannte Elite plündert vor aller Augen die öffentlichen Haushalte, alle sind wütend und empört, aber so richtig gewehrt haben wir uns dagegen nicht. Diese himmelschreiende Ungerechtigkeit hat bisher leider nur Erstarrung und keinen massenhaften Aufschrei bewirkt.

Ich bleibe dabei - auch wenn ich neulich wieder mal dafür gerügt wurde: fast alle politischen Entscheidungen der letzten Jahre sind ausschließlich für eine kleine Gruppe Superreicher gefällt worden. Es geht nur ums Geschäft und nicht mehr um die Menschen.

Ich weiß deshalb noch nicht so recht, was in mir in den nächsten Wochen in der kontemplativen Einsamkeit meiner toskanischen Heimat die Oberhand gewinnen wird: Die Zärtlichkeit oder die Wut.

Aber ich will mich überraschen lassen von meinen Liedern.

Und wenn es am Ende nur Skizzen sein werden?

Nun - bekanntlich sing ich ja für alle die kein Gemälde sein wollen, sondern immer Skizze sind.....

Euch allen einen guten Rutsch ins Jahr der Venus 2011

P.S:
Noch ein (hoffentlich) letztes Mal Sarrazin, der sich ja in der FAZ so bitterlich beschwert hat, dass man ihn so schlecht behandeln würde, obwohl der doch so vielen Muslimen permanent Autogramme geben müsse - es ist alles so durchschaubar. Es ist alles so offensichtlich inszeniert. Da wird jetzt eben nicht mehr über korrupte Banker und ihre Helfershelfer in der Politik geschimpft. Nein, jetzt geht es gegen die bösen "Kopftuchmädchen" - und nicht die Großkopferten beuten die Leute aus, sondern angeblich die Ärmsten der Armen, auf HartzIV.

Einen höchst amüsanten wie kompetenten Beitrag meiner Freundin Donna San Floriante zur Sarrazinisade kann ich Euch dazu empfehlen. Die Kabarettistin Donna San Floriante ist übrigens eine "Teilidentität" meines Kollegen Prinz Chaos II. 

youtube video

Euer Konstantin

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