Quassim heißt die schöne Blume

22.02.2011

Quassim heisst die schöne Blume,
und Quassim, diese schöne Blume Ägyptens,
fuhr mich vom Flughafen nach Hause
in seinem Taxi.

Und Quassims schöne Augen strahlten wie Amethyst
und spiegelten den Glanz der Revolution wider,
den Glanz der Gewaltfreiheit und der Liebe.

Er erzählte mir von seinem Bruder
und wie er wie durch ein Wunder Mubaraks Schergen entkam,
und von den tapferen Frauen seines Landes,
und dass auch er geglaubt habe,
die Diktatur wäre auf ewig in Stein gemeisselt
wie die Inschriften der Pyramiden.

Und er sprach von der Freude über jeden Vers der Solidarität
gerade auch aus Deutschland, diesem Land in dem er so gerne lebe,
und von der Enttäuschung über die leeren Worthülsen der Politiker,
die nicht den Mut hatten sich von ihrem Folterknecht öffentlich loszusagen.

Und dann umarmten wir uns. denn diese Revolution ist auch unsere,
und wir sind Ägypter und Tunesier und Libyer in diesen Tagen.

Es ist ein Aufstand
des Lächelns gegen die Starrheit,
des Weiblichen gegen das Unerbittliche,
der Naiven gegen die Abgebrühten.

Und auch wenn die Revolution der Liebe
noch lange dauern wird -
auch Revolutionen müssen lernen -
dieses Kapitel der Geschichte ist geschrieben
und kann nicht mehr getilgt werden
aus dem Gedächtnis der Menschheit.

Konstantin Wecker

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