Nachruf auf einen lieben Freund

08.06.2010

Lieber Manfred,

Manfred Berkard

jetzt ist das eingetreten, was Du mir schon mehrmals lachend prophezeit hast.

Du hast dich ohne großes Theater verabschiedet. Still und ohne jemandem zur Last zu fallen. Dass dein Tod nun doch etwas Aufsehen erregt hat, hätte Dich auch nicht gestört. Du kennst das Geschäft - und die Medien.

Für mich so unbegreiflich und besonders erschütternd ist jedoch, dass es Dir in letzter Zeit wieder so richtig gut ging. Du hast dich darauf gefreut, wieder mit uns auf Tour zu gehen, Du warst prächtig gelaunt und wir alle dachten, dass jetzt noch richtig entspannte und schöne Jahre auf dich zukommen würden.

Ach Manfred, alter Freund, Genosse, Weggefährte, Leidensgefährte - was haben wir nicht alles zusammen durchgemacht!

Wir konnten uns richtig streiten und du warst manchmal ein richtiger „Stinkstiefel“. Aber das gleiche würdest Du – vollkommen zu Recht - auch von mir behaupten. Und das hast Du mir auch oft gesagt.

Deine Offenheit war sowieso Dein Markenzeichen, manchmal ging sie zwar bis an die Schmerzgrenze, aber meistens traf sie genau den Punkt und so steckte eigentlich viel vom Willy in Dir. Vor allem, wenn es gegen Nazis ging.

Deine politische Klarheit werde ich sehr vermissen. Du warst einer der letzten radikalen Linken, mit bestechendem Wissen ausgestattet und scharfzüngig in der Diskussion.

Und immer humorvoll und nie ohne Augenzwinkern.

Deine Computerkennwörter zeugen davon:
Rosa, Mao, Lenin, Marx ...

Ach Manfred, je mehr ich schreibe, umso mehr fällt mir auf, wie sehr ich Dich mag und wie schwer das wird, Dich nicht mehr anrufen zu können, mit Dir zu deinem Lieblingsitaliener zu gehen. Mit dir zu blödeln und von Dir abgeschottet zu werden gegen unseriöse Angebote und Anfragen. Du hast nie versucht „Deinen Künstler“ zu verheizen. Dafür war Dir das Geld nicht wichtig genug und die Kunst zu wertvoll.

In diesen Punkten brauchten wir gar nicht zu diskutieren - da verstanden wir uns ohne Worte.

Und noch etwas, und das sollen auch alle wissen: in einer für mich sehr schweren Zeit hast Du mir ehrlich und loyal zur Seite gestanden. Und so bist Du geblieben, mein Freund.

Auf Dich war Verlass.

Wir vermissen Dich sehr.

 

Noch ein letztes Mal werde ich Dir Dein Lieblingslied spielen, das ich Dir vor über zwanzig Jahren gewidmet habe.

Endlich bist du wieder unten,
wieder mitten im Geschehn.
Hast dich plötzlich losgebunden,
um als Mensch zu überstehn.

Wieder barfuß auf dem Boden,
wieder dort, wo uns die Welt,
losgelöst von Muß und Moden,
ansatzweis zusammenhält.

Und jetzt liegt da dieser Zettel
zwischen deinen Wertpapiern:
Heute nehm ich mir das Leben,
um es nie mehr zu verliern.

Kann auch ohne eure Titel
und Verträge überstehn.
Hab die Schnauze voll von Zielen,
will mich erst mal suchen gehn.

Nur die sich mißtrauen,
brauchen Normen zum Sein
und verteilen als Schuld,
was sie sich nicht verzeihn.

Doch wie immer sie dich
auch schuldig schrein,
nur du hast das Recht,
dein Richter zu sein.

Endlich stehst du zu den Bieren,
die man nur im Stehen trinkt,
siehst, wie glücklich ein Verlierer
ohne Kampf nach oben sinkt.

Suchst dir fünf Uhr früh am Bahnhof
einen Freund für einen Tag.
Ganz egal, was er dir gibt,
wenn er sich selbst nur etwas mag.

Und dann rinnt dir, weil du zitterst,
ein Glas Wein übers Gesicht,
fällst vom Stuhl und blickst nach oben
und entdeckst ein Stückchen Licht.

Dir verschwimmen Hirn und Sinne,
schwankst aufs Klo, schließt nicht mal zu,
überläßt dich deinem Dasein
und bist endlich wieder du.

Nur die sich mißtrauen,
brauchen Normen zum Sein
und verteilen als Schuld,
was sie sich nicht verzeihn.

Doch wie immer sie dich
auch schuldig schrein,
nur du hast das Recht,
dein Richter zu sein.

Anmerkung Team Wecker: Manfred Berkard war zuerst Tourneeleiter und seit 14 Jahren persönlicher Konzertmanager von Konstantin Wecker.

Dein Konstantin

zurück