Aus meinem Hotelzimmer in Berlin

16.11.2009

Liebe Freunde,

nach all den vielen aufbauenden und zärtlichen Gästebucheintragungen will ich euch jetzt mal wieder mal antworten - denn ich hab ja wirklich das Gefühl Freunden zu schreiben, auch wenn wir uns vielleicht noch nie persönlich begegnet sind.

Ich sitze gerade in meinem Hotelzimmer in Berlin, höre eine wunderschöne Version der Cosi fan Tutte mit Cecilia Bartoli unter Barenboim und lass mich von dem Terzettino: "soave sia in vento" direkt in den Himmel entführen.

Manchmal kann Musik - vor allem und im besonderen immer wieder Mozart - so schön sein, dass es fast weh tut.

Ich weiß, ich trag jetzt ein bisschen dick auf. Schon Dieter Hildebrand hat mich freundschaftlich gewarnt, ich müsse aufpassen, dass es nicht manchmal bei mir "sirupt".

Tut mir leid lieber Dieter, aber ab und zu machts einfach Spaß zu sirupen. Und ich bins nicht gewesen, Mozart wars....

Nun zu euren Briefen:
Lieber Elmar, schön, dass du Henry Miller wieder aus der völlig unberechtigten Versenkung auftauchen lässt! Ich habe fast meine ganze Jugendzeit mit ihm verbracht und es wird höchste Zeit, gerade jetzt, ihn wieder hervor zu holen aus der Reihe fast verstaubter Bücher. Der große Arno Gruen zitiert ihn immer wieder in seinen Büchern und manchmal scheint mir, als habe er alles das schon gewußt, was heute über uns hereingebrochen ist.

Ja, und ich vermisse Fried und Böll auch, vor allem ihren aufrechten Gang und ihr ungebrochenes Engagement.

Lina und Alicia, gerne grüß ich euch aus Berlin, auch wenn ich grad keinen Boten auftreiben konnte. Aber das Geheimnis, warum ihr gerade in Chemie ein Referat über mich schreiben musstet, müsst ihr noch lüften.

Bis jetzt hab ich meine großen naturwissenschaftlichen Entdeckungen immer für mich behalten.

Anke, Gudrun, Christin und Richie, vielen Dank für eure Freude an meinem sicher etwas schwermütigen Herbstgedicht. Wenn wir die Schwermut nicht zulassen, wegdrängen - was ich auch lange getan habe - ist die Gefahr groß, depressiv zu werden. Und Drewermann sagte mal so schön, wie könnten wir ohne Schwermut denn jemals Mitgefühl entwickeln.

Sie gehört zum Leben und ist erstmal nichts schändliches, krankes oder unnatürliches.

Und ich denke, wir haben auch das Recht, sie nicht immer zu verbergen vor Mitmenschen, die so tun, als seien sie durchgehend gut drauf, cool und unantastbar selbstsicher.

Danke für dein Gedicht, Elmar, und deinen Zusatz zum Positionspapier, Änni. Ja, wir müssen für die geforderten demokratischen Strukturen in unserem Bildungssystem kämpfen, vor allem um uns gegen die systematisch vom Wesentlichen und von der Wahrheit ablenkende Meinungsmache zu wappnen.

Und Yarima - wir kommen im nächsten Jahr im November in die Schweiz. Dauert zwar noch etwas, wird aber dann sicher um so schöner...

Und Nina, Luise, Ann-Kathrin, Eusebia und eG - schön dass ihr unsere Neugestaltung der Seiten so aufmerksam begleitet.

Jetzt hab ich natürlich wieder ein paar vergessen und die werden ganz schrecklich beleidigt sein - fühlt euch trotzdem mit eingebunden in meinen Dank.

So und jetzt zur Probe mit meinen Linzer Saitenrockern und meinem Jo.

Das schönste an diesen liebenswürdigen Herren ist, dass man sofort bester Stimmung ist wenn man sie trifft.

Selbst wenn man kurz Mozart verlassen muss....

Alles Liebe
Euer Konstantin

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