Friedensnobelpreis & Kriegspropaganda (Update)

11.12.2009

Liebe Freunde!

Es war schon sehr peinlich, wie die Verleihung des Friedensnobelpreises gestern die Bühne wurde, eine Welt ohne Kriege als unrealistisch hinzustellen. War es das, was das fünfköpfige Nobelkomitee wollte? Ein für allemal selbst den Friedensnobelpreis als Rechtfertigung für Kriege zu etablieren? Den Krieg gegen Afghanistan zu rechtfertigen und im Nachhinein auch noch den Irakkrieg als Zugabe? Wollte man damit dem Pazifismus endgültig den Krieg erklären?

Was für eine Katastrophe. Nicht einmal dieser Anlass scheint noch Raum für Visionen einer besseren Welt zu bieten. In alle Zukunft werden sich nun die Bellizisten auf den Friedensnobelpreisträger 2009 berufen, und auf seinen denkwürdigen und unsäglich dummen Satz: Manchmal sind Kriege notwendig!

Ja, Mister Obama, das hören wir von allen Kampfgebieten der ganzen Welt seit Jahrtausenden. Und seit Jahrtausenden hält jeder Kriegsherr seinen Krieg für gerecht und notwendig und seine Freiheit für die einzig wahre und mit Waffengewalt zu erzwingende Freiheit. Aber was soll man erwarten von einem Präsidenten, der, erpresst von der Waffenlobby seines Landes, nicht einmal einen Vertrag gegen Landminen unterschreiben kann?

Wieder wird jede kriegerische Handlung mit der Existenz des Bösen in der Welt erklärt, was für eine erschreckende Nähe zu Vorgänger Bush. Und die abendländische Tradition vom bellum justum wird auch noch keck vermengt mit amerikanischem Missionarsbewußtsein (Kister, SZ)

Was für eine törichte Rede, Mister Obama.

Er wollte den Friedensnobelpreisträger und den Kriegspräsidenten unter einen Hut bringen. Und hätte doch, spätestens nach seiner Aufstockung der amerikanischen Soldaten in Afghanistan, nur eine ehrliche Antwort gehabt: diesen Preis nicht anzunehmen und stattdessen denen zu überlassen, die sich seit Jahrzehnten für den Frieden einsetzen. Unzählige Friedensbewegungen weltweit, die sich mit unermüdlichem Einsatz der Vision einer Welt ohne Kriege verschreiben. „1000 Frauen für den Frieden“, Arno Gruen, Jean Ziegler, Arundathi Roy, Tich Nath Hanh, David Steindl Rast - ach so viele wahrhaftige Menschen würden mir einfallen, die es wert wären einen Preis zu bekommen der ihre Vision weiterträgt.

Aber Obama spielt lieber weiter Weltpolizei und schämt sich nicht, in seiner Dankesrede weitere mögliche Kriegsziele zu rechtfertigen: „Regimes, die die Regeln brechen müssen zur Verantwortung gezogen werden“ - wo ist da der Unterschied zu seinem Vorgänger?

Und immer wieder die bange Frage: wer bricht bitte welche Regeln? Müssen nach dieser Doktrin nicht schon lange die Vereinigten Staaten von Amerika zur Verantwortung gezogen werden – mit ihren Foltergefängnissen auf der ganzen Welt und ihren Privatarmeen, die abseits aller völkerrechtlichen Absprachen wie wildgewordene Söldner auf die Menschheit losgelassen werden?

Und Al Quaida mit Hitler gleichzusetzen, ist nichts als eine Verhöhnung der 55 Millionen Toten des zweiten Weltkrieges. Kurt Kister schreibt in der SZ den schönen Satz: „Wo ein Politiker Ähnlichkeiten wittert, ist die Differenzierung sein Feind.“

Nun hat ein Kriegsherr den Friedensnobelpreis bekommen. Soviel ich weiß, wollte Herr Nobel die Erfindung des Dynamits wieder gut machen, indem er diesen Preis ins Leben gerufen hat. Mit diesem Preisträger wurde das Dynamit noch einmal erfunden.

Ziemlich verärgert

UPDATE 14. Dezember:
Was ich befürchtet hatte, ist natürlich prompt eingetreten! Apostel Peter Hahne, der die Bild am Sonntag allwöchentlich mit moralischen Allgemeinplätzen aufbläht, bedankt sich bei Barack Obama. Zuerst fragt er scheinheilig, ob Obama überhaupt in eine Reihe mit Mandela, Mutter Theresa und Martin Luther King gestellt werden darf, um ihn dann mehr oder weniger an die Spitze aller Nobelpreisträger zu katapultieren.

Er hätte ja auch die „Plattform von Oslo zu allgemeiner Weltfriedenslyrik nutzen können“, aber Obama hatte endlich den Mut statt „Frieden schaffen ohne Waffen“ oder ähnlichem Gedöns wie „vorweihnachtlichem Frieden auf Erden“ den Tatsachen ins Gesicht zu sehen: „Dass Krieg gerecht sein kann als allerletztes Mittel gegen Terror und Gewalt.“

Glaubt der Mann diesen Unsinn wirklich, ist er wirklich politisch so ungebildet, weiß er wirklich nicht, warum diese Kriege geführt werden?

Jedenfalls hat ihm und vielen anderen Obama mit seiner Rede die nötige Steilvorlage geliefert.

„Obama verabscheut den Krieg“ - diesen Beweis bleibt uns Herr Hahne schuldig.

„Und jetzt hat er uns nachdenklich gemacht“

Nein - wütend, Herr Hahne, richtig wütend hat er uns gemacht.

Und ihr blöder Kommentar hat noch eins drauf gesetzt.

Euer Konstantin

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