Freitag, der 23. Oktober 2009

23.10.2009

Liebe Freunde!

Warum werden eigentlich manche großartige Menschen plötzlich vergessen?
Ja, plötzlich, das ist das Eigenartige, von einem Tag auf den anderen. Plötzlich sind die wie weg, aus dem Gedächtnis und vorbei.

Günther Anders zum Beispiel, der große Philosoph und Pazifist, der mutige, aufrechte Streiter gegen Atomkraft und der Ehemann von Hannah Arendt, der studiert hat bei Husserl und Heidegger, der kurz nach dem Reichstagsbrand emigrierte nach Paris, dann nach New York, um schließlich in seinem Buch "Die Ursache unserer Apokalypseblindheit" mit dem Abwurf der Atombombe über Hiroshima abzurechnen.

Günther Anders. Ein Jude, der 1982 die israelitische Kultusgemeinde Wien aus Protest gegen den israelischen Libanon-Feldzug verließ. Der verschiedene Preise ebenso wie einen Ehrendoktortitel aus politischen Gründen ablehnte. Warum ist dieser aufrechte Mann so mir nichts dir nichts aus dem öffentlichen Gedächtnis des kriegführenden Deutschland gestrichen?

Darum! Man will die Unbequemen nicht mehr. Man lese doch nur mal die Feuilletons der gängigen Meinungsbildnerblätter.

Günther Anders hat auch beeindruckende Gedichte geschrieben, und die hab ich erst jetzt entdeckt, als ich in ein paar seiner Bücher in meiner Bibliothek geblättert habe.

Das folgende Gedicht sollte man ans Militär verteilen und in den Fliegerhorsten, in den deutschen Stützpunkten in Afghanistan. Vor allem aber auch übersetzen und an jene amerikanischen Soldaten geben, die heute in den USA am Joystick sitzen und genau wie bei einem Computerspiel todbringende Drohnen in weit entfernten Ländern steuern. Oder an die, welche kurz nach dem Frühstück in Michigan in ihre Kampfjets steigen, gegen Mittag ein bisschen herumbomben über Belgrad oder dem Irak, und pünktlich zum Abendessen wieder zuhause in Michigan sind.


Bomber zum Gewissen

Fünfhundert Menschen, behaupten Sie,
Hätte ich auf meinem Gewissen?
Mein Herr, ich habe mein Lebtag nie
Einer Fliege ein Bein ausgerissen.

Hinaus mit Ihnen! Und dass Sie sich nicht
Noch einmal unterstehen!
Von Angesicht zu Angesicht
Hab ich nie einen Toten gesehen.

Was ich getan? Ich träumte bis zehn.
Dann klopfte mein Gefreiter.
Dann hatte ich eilig aufzustehn.
Um vier Uhr schlief ich weiter.

Dazwischen? Ich btte. Das lohnt sich kaum.
Dann lag ich ja wieder im Bette.
Und träumte genau, als wenn ich den Traum
Nie unterbrochen hätte.

Und nun hinaus! Und dass Sie sich nicht
Noch einmal unterstehen
Von Angesicht zu Angesicht
Hab ich nie einen Toten gesehen.

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