Sonntag, der 4. Januar 2009

04.01.2009

Liebe Freunde!

Im Zeichen des Planeten Mars steht das Jahr 2009, wie ich diversen Astroseiten im Internet entnehme. Im Nahen Osten lodern auch gleich die Flammen des Krieges auf, und die scheinbar rettungslose Festgefahrenheit der dortigen Konflikte bietet wirklich einigen Anlass zur Verzweiflung.

Währenddessen kracht weltweit die Wirtschaft, ganze Industriezweige scheinen im freien Fall und es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die "Kräfte des Marktes" den ersten deutschen Industriegiganten nach allen Regeln der Kunst zerlegen. Speziell Siemens scheint da gute Chancen zu haben...

2009, da bin ich mir sicher und dazu braucht man nicht grad ein Prophet zu sein, 2009 wird ein ziemlich heftiges Jahr werden. Und wenn ich mir das Krisenmanagement unserer Führungsschicht so betrachte, wie man nur noch die Schuld hin und her schiebt und nach außen alles schön redet, während hintenrum längst alle nur noch daran arbeiten, ihr eigenes Konto rechtzeitig umzuschichten ... ich kann nicht umhin, das alles erinnert doch ein bisschen an die DDR im Jahre 1988?

Nun muss man allerdings festhalten, dass ökonomische Zusammenbrüche nicht zwingend zu Revolutionen führen. Ich hab mir kürzlich die Tarot-Karten gelegt und auch da finde ich es immer etwas fragwürdig, wenn Leute sagen: "Du, die Karten Tod ist in Wirklichkeit eine total gute Karte. Die steht für Neuanfang!" Sagen wir so: der Tod steht erst einmal dafür, dass etwas stirbt - ob daraus ein guter Neuanfang wird, ist keineswegs garantiert.

Trotzdem bin ich guter Hoffnung, dass der Tod des Neoliberalismus einen positiven Neuanfang einleiten wird. Ich bin nicht blind, was die gigantischen sozialen Verheerungen anbetrifft, die dieses Siechtum des Hurra-Kapitalismus mit sich bringen wird. Aber ich meine, wir sind gut aufgestellt, eine positive Transformation einzuleiten. Und das will ich tatsächlich richtigstellen: der Mars ist nicht nur der Kriegsplanet, sondern der Transformationsplanet schlechthin ... und außerdem rot!

Wir, das sind alle, die sich nicht ihr Hirn wegkonsumiert haben und die sich in der Kälte der "Risikogesellschaft" ein warmes Herz bewahrt haben. Und wir, wir stehen gut da. Die Bush-Ära geht zu Ende und auch die Herde der neoliberalen Schafe (mit Einstein muss man, um sich in einer Schafherde wohl zu fühlen, vor allen Dingen Schaf sein!) ist arg verwirrt. Größtes Selbstbewusstsein stelle ich dagegen bei denen fest, die Spiritualität und politischen Aktivismus, das Linkssein und das Menschsein zu vereinigen versuchen.

Es lohnt sich Laotses Tao Te King zu lesen!

Ihr könnt euch sicher an die wunderschöne Brecht Ballade erinnern:
Als er siebzig war und war gebrechlich
drängte es den Lehrer doch nach Ruh....

Nun, im dritten von einundachtzig Versen heißt es bei Laotse:

"Wird Stellung Wert beigemessen,
entsteht Streitsucht.
Steht Besitz zu hoch im Kurs,
beginnen die Menschen zu stehlen.
Begehrenswertes nicht zeigen
so macht man,
dass des Volkes Herz nicht wirr wird."

Man muss kein Philosoph sein um zu sehen, wie weit unsere Welt von jeglicher Weisheit entfernt ist. Alles zielt auf Trennung, nichts auf Vereinigung. Ehrgeiz wird verherrlicht, Siegen und besser sein ist das erklärte Ziel, Bohlen und Henkel sind die Hohepriester einer völlig aus den Fugen der Vernunft geratenen Gesellschaft.

"Deshalb setzt sich der Weise hintan
so endet er vorne.
Diene den Bedürfnissen anderer
so werden alle deine eigenen Bedürfnisse gestillt.
Selbstloses Handeln bringt Erfüllung."
(Tao Te King)

Warum sind wir so weit von alledem entfernt?

Ich weigere mich zu sagen es sei nun mal die menschliche Natur. Ich glaube mit Arno Gruen und vielen anderen, dass der Mensch von Grund auf nicht des Menschen Feind, ein Wolf unter Wölfen ist, wie uns das die neoliberalen Werbestrategen so gerne einzureden versuchen, sondern ein empathisches Wesen, fähig zu Tiefe und Mitgefühl und Liebe. Fähig in sich selbst das Tao zu entdecken, das Göttliche zu empfinden, das alles Vereinende.

Aber in einer Welt, in der das Ökonomische der Geist und Körper beherrschende Faktor ist, ein gnadenloser Tyrann, ein böser Götze der keine Götter neben sich duldet, wird es immer schwerer, dieses alles Vereinende in der Stille des Gewahrseins zu entdecken.

Ich merke bei der Erziehung meiner Kinder, wie schwer es ist anzukämpfen gegen eine Ablenkungsindustrie, die sich vor allem die Kinder als Opfer ausgesucht hat. Neulich entdecke ich meinen Sohn beim Spielen mit einem sogenannten Autorennen, bei dem man, wenn man ein neues Auto braucht einfach einen anderen Fahrer aus seinem Auto prügelt, überfährt oder erschießt!

Das ist sicher nicht einmal das brutalste Videospiel und tarnt sich auch mit postmoderner Witzigkeit - aber mir wurde klar, welcher Ungeist unsere Kinder beseelen soll:
Nimm dir was du brauchst, ohne Rücksicht auf Verluste und versuche der Schnellste und Beste zu sein. Sollen uns diese und so viel andere Spiele und Filme vielleicht wieder auf einen großen Krieg vorbereiten? Will man unsere Kinder wieder zu hirnlosem Kanonenfutter erziehen?

Und doch: ich glaube, für alle, die sich eine andere Welt vorstellen können, die an ihr arbeiten in sich selbst und im außen, brechen jetzt Zeiten von großen positiven Transformationen an. Ja, eine Welt geht vor die Hunde - aber es war weder die beste aller möglichen, noch war es die unsere. Dagegen sehe ich manche Hippiekommune florieren, sehe auch eine neue Generation von Suchenden, die sich auf den Weg machen und plötzlich kommt da ein warmer globaler Rückenwind auf, mit dem kaum mehr zu rechnen war.

Mein Freund Prinz Chaos II zum Beispiel , dem ich immer wieder viele schöne Ideen für meine Notizen zu verdanken habe, weil er ein so anregender, intelligenter und lebendiger Gesprächspartner ist, hat mit seinen Freunden in Süd-Thüringen einen Tummel - und Übungsplatz für neue Ideen, Versuche, Kultur und eine neue politisch-spirituelle Lebensgemeinschaft geschaffen. Weil er ein Prinz ist, hat er sich dafür ein Schloss ausgesucht, in einem Dorf namens Weitersroda - und weil er kein Feigling ist, wehrte er sich, als es kürzlich einmal nötig war, auch mannhaft gegen blindwütige und rassistische Dummköpfe, denen alles Neue und Fremde Angst macht. Aber gerade solche Projekte werden es möglich machen eines Tages zu integrieren statt einen neuen Krieg anzufachen. (Aus diesem Grund werde ich das Schlossprojekt des Chaosprinzen auch am 10. Juli mit einem Benefizkonzert in Weitersroda unterstützen.)

Ja - ich bin voll Hoffnung, den Aufbruch einer neuen, besseren Zeit ein zweites Mal mitzuerleben.

2012 soll der große Bewusstseinssprung ins Wassermannzeitalter passieren, heisst es, die Majas sollen das gewusst haben und die Sterne sagen angeblich Ähnliches. Wie dem auch sei: ich denke in der Tat, dass wir die Welt sofort und ohne Umschweife ändern können. Wir brauchen auf niemanden und nichts mehr zu warten. Die Welt des Profits und der Konkurrenz ist in der Krise - aber die Welt der Liebe und der Zusammenarbeit hat sich, unbemerkt von Mainstreammedien und Fernsehphilosophen, weit nach vorne gearbeitet im kollektiven Bewusstsein.

2009, Marsjahr, meinetwegen. Krieger sein und Pazifist sein, das ist schon lang kein Widerspruch mehr für mich und den Nazis, die zur Zeit morden und drohen und kaputtschlagen wie kaum je seit 45, denen sage ich: wir werden Euch in die Schranken weisen!

Das aber, eine unbedingt nötige massenhafte Reaktion gegen den Neofaschismus, ist für uns nur eine Übergangsphase. Wir stehen - siehe Griechenland - am Beginn einer neuen Welle der Rebellion, und diese Rebellion hat ein starkes, gesundes Fundament.

2009, Marsjahr: Ich bin kampfbereit und zuversichtlich - und Euch allen wünsche ich Kraft, Glück und Stehvermögen. Wehrt Euch, aber lasst Euch nicht verstricken in den Krisenstrudel des Profitsystems, helft, wo Hilfe nötig ist, - dann werden wir gemeinsam aus allen Turbulenzen gestärkt und besser vernetzt hervorgehen.

Ich umarme Euch
Konstantin

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