Dienstag, der 3. März 2009

03.03.2009

Liebe Freunde!

"Die Kunst des Scheiterns" habe ich mein aktuelles Buch genannt. Darin habe ich ausführlich dargestellt, dass es gerade die Niederlagen und Krisen waren, die mich im Leben immer wieder verwandelt und weitergebracht haben.

Es ist aber nicht so, dass jede Form des Scheiterns gleich als Kunstform durchgeht. Eine minimale Bereitschaft, für das eigene Handeln die Verantwortung zu übernehmen, möchte zum Beispiel schon sein. Und genau davon ist im Falle der jetzigen Weltwirtschaftskrise nichts zu sehen:

Heribert Prantl beschreibt es treffend in der SZ:

"Das Merkwürdige bei alledem ist, dass niemand sich Asche aufs Haupt streut - niemand in der Politik, niemand in der Wirtschaft. Niemand legt Rechenschaft ab, niemand übernimmt Verantwortung. Niemand will schuld daran sein, dass der Kapitalismus außer Rand und Band geriet. Diejenigen, die dem Kapitalismus dabei geholfen haben, schweigen heute oder machen mit bei der Klage über die kapitalistischen Auswüchse, die sie selbst befördert haben. Das Verhalten der Politik und der ministeriellen Finanz- und Wirtschaftsbürokratie erinnert an den Brandstifter, der später beflissen beim Löschen mitmacht."

Soviel zum Thema Selbstkritik unserer Entscheidungsträger: totale Fehlanzeige!

Das ist schon mal schlecht, wenn das Scheitern etwas bringen soll, denn damit fehlt auch jede Grundlage, aus gemachten Fehlern zu lernen. Es wäre logischerweise angezeigt, jenes Verhalten, das zum Scheitern geführt hat, nachhaltig zu verändern. Dazu müsste man in sich gehen und überprüfen, was wirklich wichtig ist im Leben.

Lernt die Politik aus dem aktuellen Desaster? Wird jetzt endlich verantwortungsbewusste Politik im Interesse der Menschen und des Planeten gemacht? Hören wir endlich auf, Geld sinnlos zum Fenster hinauszuschmeissen?

"Waffenindustrie profitiert von Konjunkturpaket" lese ich soeben auf Spiegel-Online 96 die Bundeswehr geht shoppen: "Eine vorläufige Einkaufsliste des Verteidigungsministeriums umfasse 1000 Maschinenpistolen MP 7 der baden-württembergischen Waffenschmiede Heckler & Koch für drei Millionen Euro, 34 "Dingo 2"-Patrouillenfahrzeuge für 24,4 Millionen Euro, zehn bewaffnete Fennek-Spähwagen für 35 Millionen Euro sowie fünf Seafox-Unterwasserdrohnen zur Minenbekämpfung für 34 Millionen Euro."

Großartig! Endlich mehr Geld für Waffen! Bravissimo! So also lernt die Bundesregierung aus dem Desaster ihrer Politik. Diese Leute bringen es auch im Scheitern noch fertig, die große Linie talentfreien, restlos verantwortungslosen Handelns in altbekannter Verlogenheit beizubehalten. Diese Damen und Herren scheitern gänzlich kunstlos. Und damit ist nur eines garantiert: die nächste Krise, der nächste Krieg.

Diese Leute sind ganz einfach rettungslos vernagelt. Wir sollten dem Dauer-Scheitern unserer angeblichen Elite wirklich demnächst ein Ende setzen.

PS: Gratulation an Tobias Pflüger, der sich beim Europa-Parteitag der Linkspartei gegen massiven Druck und fiese Intrigen einen aussichtsreichen Listenplatz erstritten hat. Dieser Leuchtturm des Antimilitarismus im Europaparlament wird also aller Voraussicht nach weiter leuchten. Wie man sieht, wird das auch benötigt

Euer Konstantin

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