Mittwoch, der 11. März 2009

11.03.2009

Liebe Freunde!

Ich weiß, es ist gschert, wie wir das in München sagen. Wie ich den Wetterberichten entnehme, scheint der Winter in Deutschland ja nicht enden zu wollen, ganze Stadtteile versinken in der Winterdepression ... und ich sitze hier in der Toskana und habe mich jetzt doch entschlossen, mir Sonnencreme zu besorgen.

Ich hätte Euch diesen Tagebucheintrag aus Rücksichtnahme auf Eure Winterleiden auch gerne erspart, aber es geht nicht. Hier tut sich nämlich Sensationelles und davon will ich berichten.

Seit vier Tagen sind wir jetzt hier zu Gange, um am Programm "Stürmische Zeiten, mein Schatz" zu arbeiten. Wir, das sind in dem Fall neben meiner Wenigkeit Jo Barnikel, Prinz Chaos II., der uns journalistisch begleitet - und dazu ein achtbeiniges Naturereignis namens SSQ - das Spring String Quartett. Diese vier Österreicher sind vielleicht tatsächlich der Grund für diesen auch für toskanische Verhältnisse ungewöhnlichen Frühlingsausbruch. Zumal Jo Barnikel die Erkenntnis zu danken ist, dass Österreicher generell die besseren Menschen sind. Ganz sicher sind sie die Hauptschuldigen für einen fortgesetzten kreativen Ausbruch sondergleichen.

Man muss sich das vorstellen: dieses Quartett sieht aus wie eine Abordnung der Hells Angels und in ihrem robusten Feierverhalten rangieren sie auch wirklich nur knapp unterhalb einer Rockergang. Zusammen mit dem Chaosprinzen haben sie die Langhaarquote der ganzen Region spürbar angehoben. Mit Ausnahme des Cellisten ist dieses Quartett konsequent cowboybestiefelt und sonnbebrillt anzutreffen. Und dann nehmen die Vier ihre Instrumente in die Hand und entlocken diesen die schönsten Töne der westlichen Hemisphäre! Diese Proben sind einfach unglaublich. Ich weiß, dass ich mich auf Jo immer zu 100% verlassen kann, wir sind einfach ein eingespieltes Team, ein glücklich alterndes musikalisches Ehepaar. Aber wie die Jungs vom SSQ da einsteigen, die Schnelligkeit mit der sie sofort umsetzen, was kaum ausgesprochen wurde, wie sie sofort den Ausdruck eines Liedes bis in die letzte Note erfassen, das ist unerhört. Da hilft kein Kater und kein Blödeln in den Proben - sobald dieses Quartett zu streichen beginnt, verwandeln sie sich in die Hells Angels der Virtuosität. Die Arrangements entwickeln dabei eine Power, wie man sie sich von keiner Heavy Metall Band besser wünschen könnte. Und Sekunden später wieder die feinziselierte Virtuosität mozartesker Anmutung - einfach schee!!

Kochen können sie auch noch saugut dazu und nun fällt die Entscheidung schwer, denn wir haben es durch geschicktes Taktieren geschafft, auch von Ute ein zweites Mal zum Essen eingeladen zu werden, und das erfüllt uns alle mit großer Vorfreude. Diese Frau kocht wie andere komponieren. Mein bereits zuvor eher wankelmütiger Vegetarismus hat beim ersten Essen - awas: Bankett! - Utes Schweinebraten in Rosmarin keine Sekunde standhalten können. Ute und "Schwammerl", das sind zwei alte Freunde von mir, die sich fest in der Toskana angesiedelt haben. Schwammerl war mein Toningenieur zu seligen Team Musikon Zeiten. Heute kümmert er sich liebevoll mit seiner Frau Ute auch um die Vermietung meines Podere Rimortini (www.valdambra.com). Und so habe ich wirklich eine zweite Heimat gefunden, hier in der Toskana. Die Bar unten in Ambra hat sich praktisch in drei Jahrzehnten nicht verändert. Da hocken Alt und Jung, Frau und Mann nach fester Sitzordnung zusammen, palavern und trinken den wissenschaftlich nachgewiesen besten Cappuccino der Welt! Mit der örtlichen Jugend haben wir uns in einer stürmischen Nacht beim Kickern
angefreundet und ich kann stolz sagen: wir haben gewonnen!

Das als kurzer Lagebericht aus dem toskanischen Frühling. Und ich bitte Euch sehr, unserem guten Beispiel zu folgen und diesem ewigen Winter 2009 endlich, endlich ein Ende zu bereiten - schließlich müssen auch wir bald zurück auf die andere Seite der Alpen...

Nix für ungut
Konstantin

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