Donnerstag, der 17. April 2009

17.04.2009

"Ich hatte schon immer einen großen Ekel vor dem Unernst in der Kunst" sagt der Theatermann Volker Lösch, ein Satz, den ich voll und ganz unterschreiben möchte.
Unernst heisst nicht, dass nicht gelacht werden darf. Es bedeutet für mich in erster Linie, die Kunst nicht ernst genug zu nehmen.

Das alles verwitzelnde Geblödel in fast allen Sparten der Kultur geht mir nur noch auf die Nerven. Es zeugt von der Feigheit und Unfähigkeit ihrer Protagonisten eine Haltung zu haben und eine Meinung zu vertreten. Und es ist immer Gewitzel auf Kosten der anderen - das Gegenteil von Ironie, bei der man sich selbst auf die Schippe nimmt. Mit Humor hat das alles nichts zu tun. Nur mit Unsicherheit und Angst vor der Kritik der neoliberalen Medienwächter.

Ja, auch ich habe in einer Zeit, in der Politikern nichts anderes einfällt als sich selbst die Posten zu bewahren und die Verluste der Reichen auf uns umzuverteilen, einen Ekel davor ausschließlich zu blödeln. Wohlgemerkt: ausschließlich. Denn Blödeln kann sehr schön sein. Wir wollen auch nicht mit Hass auf dieses Verhalten der geld- und machtsüchtigen Psychopathen reagieren - deshalb geht es in meinem neuen Programm auch in erster Linie um die Liebe. Aber wir müssen uns ernsthaft mit der "infantilen Gesamtlage" auseinandersetzen, ohne die es "die Banker nicht so leicht gehabt hätten uns allen weis zu machen, sie könnten das ewige Leben des Geldes garantieren." (Bodo Kirchhoff)

Noch ganz benommen von den liebevollen stürmischen Zeiten - den ersten beiden Konzerten in Heidelberg und Nürnberg - möchte ich an dieser Stelle eine Zeile aus einem Konzertbericht einer jungen Besucherin des Abends in der Nürnberger Oper zitieren. Auch die Mutmacher brauchen mal jemanden, der ihnen Mut macht. Und mir macht es Mut immer wieder zu erleben, dass es doch möglich ist mit Liedern und Worten zu bewegen, Anstoß zu geben sich selbst zu begegnen, weiter zu machen, nicht aufzugeben:

"Kunst muss sein die Axt, die das gefrorene Meer in uns sprengt" schrieb
Kafka. Und wenn ich es nicht besser wüsste, müsste ich schwer annehmen, dass
er diese ´Eingebung´ nach einem Konzert von Wecker hatte.........

Mein Resümee: Habe Mut, in dein ´Ich´ zu tauchen, es in die Gegenwart zu
bringen und zu leben. "Es geht ums Tun, nicht ums Siegen" - und jedes
Scheitern wird zum Sieg und jeder Sieg bedeutet mehr Wahrhaftigkeit."

(Den ganzen Bericht von Melanie könnt ihr auf "hinter den schlagzeilen" lesen.)

Euer Konstantin

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