Dienstag, der 21. April 2009

21.04.2009

Liebe Freunde!

Ich habe an dieser Stelle schon einmal über gewaltverherrlichende Killercomputerspiele geschrieben und dass mir jedes Verständnis dafür fehlt, dass man auf diese Weise Jugendlichen die Notwendigkeit, ja sogar die Schönheit des Kriegerischen beizubringen versucht.

Das Geschrei ist groß, wenn es um den Versuch geht, diesen Schrott zu verbieten. Angeblich ist die Freiheit der Meinung in Gefahr, vor allem ist es aber wie immer die Freiheit des Marktes. Es geht um die "Global Player" der Spieleindustrie, die vom größten Wachstumsmarkt profitieren in einer stagnierenden globalen Wirtschaft. Die Medien, wie so oft Steigbügelhalter der Global player, zerren gerne Jugendliche ans Rampenlicht, die begeistert Killerspiele spielen, adrett aussehen und schwören, niemals deswegen zur Waffe zu greifen. Man muss wissen: Das sind Milliardenbeträge, um die es da geht, meist noch gesponsert von der US Army und der Bundeswehr.
Bei Spielemessen hat nicht umsonst die Bundeswehr oft einen Stand, um für ihre Kriege Promotion zu machen.

"Killerspiele entstammen den professionellen Trainingsprogrammen der US-Armee, mit denen Schusstechnik, Zielgenauigkeit und direktes Reagieren auf auftauchende Gegner trainiert werden: Die Soldaten werden desensibilisiert und fürs Töten konditioniert, die Tötungshemmung wird abgebaut. Genauso werden durch Killerspiele Kindern und Jugendlichen Spezialkenntnisse über Waffen und militärische Taktik vermittelt, denn diese sogenannten "Spiele" sind in Wirklichkeit Simulationen der Kriegsrealität." (Kölner Aufruf gegen Computergewalt)

Die US-Armee setzt Computerspiele zur Anwerbung von Soldaten ein (z.B. www.americasarmy.com). Games-Konzerne dienen somit als Teil des militärisch-industriell-medialen Komplexes dazu, mit "Spielen" die künftigen Soldaten heranzuziehen. Das Alltagsleben wird vom Krieg durchdrungen, um Akzeptanz für die derzeitigen und künftigen Kriege zu schaffen. Diese Spiele sind somit massive Angriffe auf Menschenrechte, Völkerrecht und Grundgesetz.
Angeblich können Jugendliche lernen mit Killerspielen sinnvoll umzugehen, ohne körperlichen und seelischen Schaden zunehmen.

Aber weshalb sollen sie denn nicht lieber was Vernünftiges lernen? Liebevoll und tolerant miteinender umzugehen zum Beispiel? Man verbietet ihnen, auf Bäume zu klettern. Das sei gefährlich, man könne herunterfallen. Aber man lässt sie Stunde um Stunde den Amoklauf proben, und niemand scheint zu fragen, ob das nicht für die Kinderseelen wesentlich gefährlicher ist, als ein gebrochener Haxen.

Ebenso wenig wie mir jemals einleuchten wird, warum man Waffen, wenn schon nicht abschaffen, nicht wenigstens in Privatwohnungen verbieten kann, nur weil die Waffenlobby bei jeder Gesetzgebung ihre dreckigen Finger mit im Spiel zu haben scheint, ebenso wenig leuchtet mir ein , warum man mit diesen Spielen unsere Kinder brutalisieren muss.

Ich habe deswegen einen Aufruf unterschrieben, der von Prof. Dr. Maria Mies initiiert wurde, einer streitbaren feministischen Soziologin, deren Bücher ich sehr schätze und in meinen Notizen schon einmal besprochen habe. Ihr findet den ganzen Aufruf auf "Hinter den Schlagzeilen".

Ich umarme Euch, unbewaffnet
Konstantin

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