Montag, der 6. Oktober 2008

06.10.2008

Liebe Freunde!

Jetzt liegt das wunderschöne Backbuch meiner Frau Annik endlich in den Buchhandlungen aus, und ich erlaube mir ein bisschen Werbung dafür zu machen und es euch von Herzen zu empfehlen.
Wer gerne backt oder das kreative Backen neu für sich entdecken will, kommt an diesem Buch nicht vorbei!
Als ich vom Verlag gebeten wurde das Vorwort zu schreiben, konnte ich - sozusagen als Cheftester - meiner Begeisterung für die süssen Meisterwerke freien Lauf lassen:

Natürlich macht es mich stolz, wenn wildfremde Männer mich darauf ansprechen, wie aufregend es doch sein muss, mit einer so fantasievollen, kreativen und hübschen Bäckerin zusammenzuleben. Aber Sie können sich nicht vorstellen, auf was man sich da einlässt als Ehemann. Unabhängig davon, dass es unmöglich ist, bei diesem Überangebot an Köstlichkeiten einigermaßen das Gewicht zu halten, haben Sie keine Ahnung, in welchem Chaos das häusliche Leben versinkt, wenn die eigene Frau an einem Backbuch arbeitet!

Ein Flügel ist kein Musikinstrument mehr, sondern ein Abstellplatz für Kuchenmodelle aller Art, ein Arbeitszimmer wird zum Fotostudio und das Wohnzimmer darf nicht mehr geheizt werden, weil sonst der Schokoguss zerlaufen würde. Im Kühlschrank ist kein Platz mehr für Fleisch, Wurst oder Gemüse, dafür quillt er über von Butterbergen, Sahne, Frischkäse, Mascarpone und Tortenböden. Die Hoffnung, die Gattin möge als Nächstes ein Buch über Currywürste schreiben, wächst da ins Unermessliche.

Wenn mich dann doch einmal ein Kuchen besonders reizt und ich gerade dabei bin, mir ein Stück abzuschneiden, hindert mich garantiert ein schriller Schrei an meinem Vorhaben. Das gute Stück sei ein Model, gerade aus dem Ofen gekommen, um fotografiert zu werden, und ich solle mich ja nicht daran vergreifen.

Andererseits vergeht kein Tag, an dem ich nicht neue Kreationen probieren muss und gefälligst herauszufinden habe, welche exotischen Ingredienzien wie Chili, Rotkohl, Rosmarin oder gar Süßkartoffeln und Basilikum in welcher exakten prozentualen Zusammensetzung darin enthalten seien.
Mein alternder Geschmackssinn ist nicht annähernd so ausgebildet wie der meiner jüngeren Frau und, ehrlich gesagt, ist es mir auch ziemlich egal, was in diesen Götterspeisen alles enthalten sein mag. Hauptsache, mir schmeckt´s!

Damit komme ich allerdings nicht durch und muss mich im harmlosesten Fall des Banausentums bezichtigen lassen, sozusagen völlig ungeeignet als Ehemann einer Vollblut-Zuckerbäckerin.
Unabhängig davon also, dass ich unsere Küche nur mit Tage vorher eingereichter schriftlicher Genehmigung betreten darf, dass meine Frau nur noch am Herd zu besichtigen ist und nur zwischen zwei Backgängen ansprechbar, der der Laptop ihr Geliebter und ihre Fotografin Sandra mit ihr verheiratet ist, abgesehen davon also muss ich zugeben, dass ich sie noch nie so glücklich erlebt habe wie in diesen Monaten. Nicht einmal bei unserer Hochzeit. Aber sie hat ja auch unsere Hochzeitstorte nicht selbst gebacken.

Trotz alledem - stolz bin ich schon auf ihre fantasievollen, besonderen und sagenhaft guten Kuchen.
Da ist wirklich Musik drin und ich übertreibe jetzt natürlich kein bisschen, wenn ich sage: Sie ist für mich der Rossini unter den Bäckern! Von genialer Leichtigkeit und voller überraschender himmlischer Melodien.

Guten Appetit!
Ihr Konstantin Wecker

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