Donnerstag, der 20. März 2008 (2)

20.03.2008

Im Gefolge der weltweiten Finanz- und Bankenkrise glaubt Herr Ackermann, Chef der deutschen Bank, nicht mehr an die Selbstheilungskräfte des Marktes. Das ist doch putzig! Gehörte Ackermann nicht gerade zu denen, die sich immer großkotzig ein Eingreifen der Politik in die Belange der Wirtschaft verbeten haben?

Nun soll der Staat eingreifen, um die lästigen Aufräumarbeiten einer dummen und rücksichtslosen Politik der Bereicherung zu übernehmen.

Bekanntlich sind wir der Staat. Also dürfen wir das Desaster bezahlen, das diese Herren im neoliberalen Rausch angerichtet haben. Sie besaufen sich und wir haben den Kater!

Mit dieser Art Masochismus konnte ich mich noch nie so richtig anfreunden.

Staatseingriffe in die Wirtschaft sind - so können wir nun schlussfolgern - nur unbeliebt, wenn der Staat beim Profitmachen stört. Wir sollen uns gefälligst raushalten wenn Siemens oder Nokia oder wie sie auch alle heissen, trotz immenser Gewinne von über 40 Prozent (!!!) einen Großteil derer, denen sie diese Gewinne zu verdanken haben, in die Armut entlassen.

Aber kaum ernten sie die faulen Früchte ihrer hemmungslosen Vorgehensweise, singen sie das Hohelied vom aktiven Staat.

"Es reicht nicht mehr, die Banken zu gegenseitiger Hilfe aufzufordern", verkündet Ackermann.

Die Börsianer haben eine Tanzpause eingelegt.

"Im Falle einer Krise gilt das eherne Gesetz, die Verluste zu sozialisieren", schreibt Klaus Fischer in der "jungen welt".

Und es gelte, zum Schutz der deutschen Wirtschaft zu handeln, umschrieb Steinbrück seine Zustimmung, die öffentliche Hand im Spiel zu halten.

Die Herren verarschen uns.

Und mich freut die Krise.

Ja ich habe diese klammheimliche Freude bei jedem neuen Börsencrash, bei jeder Schließung einer Bank, die sich verspekuliert hat - jedesmal, wenn diese unerträgliche Selbstherrlichkeit einer nur noch von ökonomischen Interessen und Zwängen beherrschten Gesellschaft einen Riss bekommt.

Mein Mitleid mit Aktienbesitzern und selbst den "armen und unschuldigen" Kleinanlegern hält sich in Grenzen, denn ich habe nie an die dummdreiste Lüge geglaubt, dass das Geld arbeitet.

Geld ist zu faul zum Arbeiten, es liegt nur dumm rum. Und das gilt als Segen und Wunder des freien Marktes. Aber wehe, einer von uns leistet sich diesen gemütlichen Lebensstil!

Arbeiten müssen immer Menschen. Milliarden hungernde und unterdrückte Menschen, damit die sognannte Elite zocken kann.

 

Damit aber im globalen Casino so richtig Stimmung aufkommt, hätte ich einen unverbindlichen Vorschlag:

Wenn die Börsianer tanzen,
heben sie verzückt das Bein.
Lassen dann in den Bilanzen
auch mal Fünfe grade sein.

Ihre spitzen Köpfe wackeln
schwer gerötet aufs Parkett.
Und gewisse Damen dackeln
hinterher und sind sehr nett.

Manchmal nehmen sie ein Näschen,
wenn der Kurs sie mal verkohlt.
Mieten sich ein dralles Häschen,
das ihnen den Arsch versohlt.

Denn dann scheißt sichs wieder besser
auf den dummen Rest der Welt.
Ach schon immer lief ins Messer,
wers nicht mit den Siegern hält.

Ja sie spielen Gott und wir
kaufen wie die Lämmer fromm
zwar bankrott, doch voller Gier
Aktien der Telekom.

Manchmal springen sie aus Fenstern,
wenn der Dow Jones kräftig fällt.
Dann gehörn sie den Gespenstern
der Betrognen dieser Welt.

Meinetwegen solln sie springen.
Muß nicht nur ein Freitag sein.
Wünsche glückliches Gelingen,
und mir fällt ein Grablied ein:

Wenn die Börsianer tanzen...

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