Montag, der 5. Mai 2008

05.05.2008

Liebe Freundinnen und Freude!

Wir arbeiten gerade fleissig an einer neuen CD, planen deren Veröffentlichung noch im Juni - und der folgende Produktionsbericht meines geschätzten Kollegen Prinz Chaos II. sei Euch nicht vorenthalten. So bekommt Ihr ein bisschen von der Freude mit, die wir alle in den Eichenauer Dorian Gray Studios hatten. Wenn schon alte Studiohasen wie der Jo Barnikel sagen, sie hätten einen derartig explosiven und dabei von Liebe und gegenseitiger Achtung geprägten kreativen Prozess noch nicht erlebt ... aber lest selber.

Wieder dahoam ... in Eichenau
Zwar zielt der vorliegende Tonträger künstlerisch nicht nur auf Bayernmenschen, sondern auf humanoide Spezies überall und überhaupt. Die bayerische Nachwelt aber im Speziellen hat Anspruch, Näheres über den Hergang dieser CD-Produktion zu erfahren. Wir gehen nämlich alle miteinander davon aus, etwas bleibend Bayerisches geschaffen zu haben.
Derweil hat uns die Frage, was einst von unserem Bayern übrig bleiben wird - von dem Bayern, das wir meinen! -, als in Gerhard-Polt-Zitate bunt eingewickelte Melancholie oft genug beschäftigt. In Timbre und Wut der Wecker-Gesänge, in mancher Basslinie vom Retzer Lenz und in den auf eigentümliche Weise bayerischen E-Gitarrensolos vom Gleixner Wolfgang, haben wir mancherlei Antworten versteckt.
Der Lenz outete sich bei Zeiten als Enkel des Turmschreibers Wugg Retzer, was meine Wenigkeit, den Urenkel vom Simpl-Wirt, unbandig freute. Sowieso war das eine ausgiebig Münchnerische Veranstaltung, diese Aufnahmesession in den Dorian Gray Studios zu Eichenau, vor den Toren der Stadt. Manchmal so weich wie die Wiener, manchmal so laut wie am Rhein, zeigte uns der Wrba Peter, was die Hohe Schlagzeugschule Münchens hervorbringt. Wrba, Retzer, Gleixner - Namen von direkt aufdringlicher Bajuwarität! Und der Barnikel Jo, wie unser neuer Ministerpräsident als Franke ein tragischer Fall, hat immerhin den Vorteil, zu den besten Musikern unserer Zeit zu gehören.
Punktgenau, blitzschnell in der Umsetzung und von unaufdringlicher Virtuosität, das hat Soundmeister Barnikel gemeinsam mit dem Tonmeister dieser CD, dem Wölfle Gerhard, auch ein gebürtiger Münchner. Dessen Assistent, der Sam, ist dann zwar Kölner, aber die sind bekanntlich die besseren Münchner, oder?
Schee war´s, in Eichenau, gelacht wurde viel und jeder noch so depperte Witz fand hier dankbares Publikum. Es regierte die unnachahmlich Münchnerische Mischung aus G´schert- und Herzlichkeit. Und kaum hatte einer seinen Arsch zur Tür hinausgeschoben, fingen die anderen sofort an, hinter seinem Rücken gut über ihn daherzureden und ausführlich seine Vorzüge zu rühmen.
Allerdings ereignete sich alles das im April des Jahres 2008. Geregnet hat´s und Sommer war´s, je nachdem in welchen fünf Minuten einer die Tür nach draußen öffnete, um zu rauchen. Da hat man sich halt gedacht, was der April darf, das sei auch der Kunst nicht verboten - und sie machten, was sie grad wollten, Wecker und Band. Zu erleben, wie diese grandiosen Musiker sich mit beherztem Wagemut in die Chaosfluten stürzten, das Zusammenwuchern von jahrzehntelang angesammelter Professionalität mit spontan rausplatzender Musikergenialität: kein Trip war wie dieser!
Eine einzige gefährliche Substanz jedoch spielte eine Rolle in Eichenau. Und angesichts des nie enden wollenden, aber jedes Mal zusammengefressenen Kuchennachschubs der Annik Wecker, wird manch einer sich fragen lassen müssen, ob altmodischer Alkoholismus nicht auf lange Sicht gesünder wäre, als dieses exzessive Kuchenkonsumverhalten!
"Wieder dahoam", die unsterbliche Wecker-Scheibe von 1986, war die heimliche Matrix für die vorliegende CD. 22 Jahre später wird die "Oma" dank Hartz IV immer noch aus ihrer Wohnung geschmissen. Aktualisiert wurde "Wieder dahoam", neu arrangiert "Wenn Du fort bist". Reloaded auch Wecker-Hits wie "Lang mi ned o", "Wir Zwoa" oder die anarchische "Anna". Dazu kommen dieses Mal einige Münchner und Bayerische Lieder in bisher nie gehörten Interpretationen...
Ein opulentes Werk, grantig und verschmitzt, sehr fleischlich, voller Lebensfreude und mit mehr Titeln, als sie die heutige Durchschnitts-CD beherbergt. Man wird sie "abwechslungsreich" nennen wollen. Wir können für unseren Teil recht gut damit leben, dass sie total chaotisch geworden ist ... und ganz schön Wecker.

Prinz Chaos II.
(flori kirner)

Euer Alles Liebe und voller Vorfreude
Euer Konstantin

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