Donnerstag, der 20. März 2008

20.03.2008

Liebe Freunde!

Liebe Freunde
Zwei erstaunlich zeitlose alte Gedichte zweier ewig junger Dichter und ein Zitat von 1938 zum besseren Verständnis der heutigen Situation:


Erich Kästner:

Ansprache an Millionäre

(zu finden in der Erich Kästner Literatur)


Kurt Tucholsky

(Ein Gedicht aus den dreißiger Jahren...)

"Die freie Wirtschaft"

Ihr sollt die verfluchten Tarife abbauen.
Ihr sollt auf Euren Direktor vertrauen.
Ihr sollt die Schlichtungsausschüsse verlassen.
Ihr sollt alles Weitere dem Chef überlassen.
Kein Betriebsrat quatsche uns mehr herein.
Wir wollen freie Wirtschaftler sein!

Wir diktieren die Preise und die Verträge -
kein Schutzgesetz sei uns im Wege.

Ihr braucht keine Heime für Eure Lungen,
keine Renten und keine Versicherungen.
Ihr solltet Euch allesamt was schämen,
von dem armen Staat noch Geld zu nehmen!
Ihr sollt nicht mehr zusammenstehen -
Wollt Ihr wohl auseinandergehen!

Ihr sagt: Die Wirtschaft müsse bestehen.
Eine schöne Wirtschaft! Für wen? Für wen?

Das laufende Band, das sich weiterschiebt,
liefert Waren für Kunden, die es nicht gibt.
Ihr habt durch Entlassung und Lohnabzug sacht
Eure eigene Kundschaft kaputtgemacht.
Denn Deutschland besteht -
Millionäre sind selten -
aus Arbeitern und aus Angestellten!

Und Eure Bilanz zeigt mit einem Male
einen Saldo mortale.
Während Millionen stempeln gehen.
Die wissen, für wen!

Kurt Tucholsky, gesammelte Werke, Rowohlt 1995.


"Die Ereignisse in Europa erinnern uns an zwei einfache Wahrheiten über die Freiheit eines demokratischen Volkes. Die erste dieser Wahrheiten ist, daß die Freiheit der Demokratie nicht sicher ist, wenn das Volk duldet, daß private Macht so weit um sich greift, bis sie stärker wird als der demokratische Staat selbst. Das ist im Kern der Faschismus - der Besitz der Regierung durch ein Individuum, eine Gruppe oder irgendeine andere kontrollierende private Macht. Die zweite Wahrheit besagt, daß die Freiheit einer Demokratie nicht sicher ist, wenn ihr Unternehmenssystem nicht Beschäftigung, Produktion und Verteilung von Gütern auf eine Art sicherstellt, die einen akzeptablen Lebensstandard aufrechterhält."

Franklin D. Roosevelt

(1938, als ein neuer Weltkrieg bereite abzusehen war, beschloss der amerikanische Präsident Franklin Roosevelt, gegen "das System der Kartelle" vorzugehen, wie der damalige Leiter der Antitrust - Abteilung des US-Justizministeriums, Thurman Arnold, später in seinem Buch "Demokratie und Freihandel" schrieb. Roosevelt forderte den Kongress auf, eine Untersuchung darüber einzuleiten, in welchem Maße die Kartelle die US-Wirtschaft kontrollieren.)



Euer Konstantin

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