Donnerstag, den 16. März 2006

16.03.2006

Liebe Freunde!

Zu unserer Antifa-Tour zusammen mit Heinz Ratz habe ich mich ja in den Medien so ausführlich geäußert, dass da nichts mehr hinzuzufügen ist. Thema einer aktuellen Stunde im Bundestag zu sein, war allerdings auch für mich eine ganz neue, durchaus etwas eigenartige Erfahrung.

Dabei geht es freilich nicht so sehr um mich selber. Ich war froh, wenigstens als Aufhänger für diese längst überfällige öffentliche Aufmerksamkeit dienen zu können. Die Redebeiträge von Linksfraktion, SPD und Grünen waren durchwegs sehr engagiert und deutlich in ihrer Kritik am Einknicken der lokalen Politik vor der NPD.

Damit hat unsere Tour schon viel bewirkt. Zumal der Druck auf Rot-Schwarz, die Mittel für die Unterstützung von Jugendprogrammen gegen Rechts, wie zum Beispiel Civitas, nicht zu kürzen, durch die Halberstadt-Debatte sicherlich gewachsen ist.

Wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, an diese Gelder gerade jetzt den Rotstift anzusetzen, ist mir schleierhaft. Infam und unverantwortlich der CDU/CSU-Ansatz, die Programme und Geldmittel gegen Rechts auf Linksextremisten und Islamisten auszudehnen. Von 14.000 extremistischen Gewalttaten im aktuellen Verfassungsschutzbericht gehen 12.000 auf das Konto von Neofaschisten.

Wir haben auf unserer Tour in vielen Gesprächen auch manche Horrorgeschichte mitbekommen, was der Nazi-Terror im Alltag bedeutet. Das hat mir gezeigt: es ist wichtig aufzudecken, statt totzuschweigen. In unserem Land finden jeden Tag Übergriffe von bestialischer Brutalität statt. Und das nicht nur in ostdeutschen Provinzen. Im an sich links dominierten Berliner Bezirk Friedrichshain kam es beispielsweise die letzten Wochenenden zu regelmäßigen Angriffen einer Nazi-Bande gegen Linke, Ausländer, Punks. 10 bis 15 Mann, die mit Fahrradschlössern und Ketten, immer ins Gesicht ihrer Opfer geschlagen und diese fürs Leben gezeichnet haben. Die Gruppe ist inzwischen gefasst worden, die Presse spricht von einer Jugendbande und verschweigt, dass wir es hier mit ganz gezieltem Terror aus der neofaschistischen Kameradschaftsszene zu tun haben.

Es gibt viele Menschen die bereit sind, sich einzusetzen und zu engagieren, gegen Antidemokraten und Rassisten. Dieser Einsatz ist oft mit einem erheblichen Risiko für die eigene körperliche Unversehrtheit verbunden. Und wenn wir auch nicht jeden Tag an der Seite dieser Mutigen stehen können, ist es uns als Künstler immerhin möglich, viele dieser Menschen zusammenzubringen, ihnen Licht und Kraft zu geben, sie zu feiern für ihr Engagement und ihre wehrhafte Menschenliebe.

Überwältigt war ich anderntags von den vielen hunderten Solidaritätsbekundungen per Brief und Mail, mit denen unser Büro geradezu überschüttet wurde.

Danke für jeden einzelnen Brief! Es ist schön euch an meiner Seite zu
wissen. Gemeinsam werden wir immer stärker sein als der Hass von rechts!

Euer Konstantin

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