Adelaide, gesungen von Jussi Björling

30.03.2016

Liebe Freunde,
Caruso und Björling, Callas und Tebaldi und tagaus, tagein der verführerische Schmelz der Tenorstimme meines Vaters, sein unschuldiges, fast kindliches Timbre - all diese Klänge verzauberten unsere Wohnung, ließen sie über die Dächer der Stadt hinausfliegen in italienische Opernhäuser und Palazzi. Ich lernte mit Verdi zu hoffen und mit Puccini zu weinen, ich starb tausend Tode mit Manon und träumte, mit dem Tode ringend, von einer letzten Reise mit Mimi nach Paris.
Es herrschte ein reges Frauensterben in den Belcanto-Dramen jener Zeit,und mir, dem die Oper das einzige Tor zur Wirklichkeit war, schienen Liebe und Tod untrennbar verbunden.
Ich lebte Mimi und mein Pathos ließ sich durch keine musikalische Leitung zügeln. Böse Zungen sagen mir das ja heute noch nach…:)
Ich ließ mich von Puccini selbst leiten und von der Liebe, die seinen Melodien und musikalischen Progressionen entströmt. Und damals (wie heute) war ich mir sicher: Wer noch nie bei Puccini geweint hat, kann nicht zur menschlichen Spezies gezählt werden.
Mit dem Verlust der engelsgleichen Knabenstimme verlor ich die künstlerische Selbstverständlichkeit und ich der gefallene Engel sank mit seiner Stimme ein paar Oktaven tiefer in die Niederungen der Fleischlichkeit.
So in etwa hab ich meine musikalische Kindheit in meiner „Kunst des Scheiterns“ beschrieben.
Mein Vater und ich verehrten glühend einen schwedischen Tenor, der mich bis heute mit der unvergleichlichen Anmut seiner Stimme und mit seiner atemberaubenden Musikalität begleitet: Jussi Björling.
Für mich gibt es keine großartigere männliche Tenorstimme und Gestaltungskraft wie diesen früh verstorbenen schwedischen Künstler.
Björling hat wundervolle Puccini-Arien gesungen, aber hier möchte ich euch ein Lied von Ludwig van Beethoven vorstellen: Adelaide.
Es gibt tolle Aufnahmen von Fritz Wunderlich und Peter Anders - aber für mich bleibt Björlings Gestaltung unübertroffen. Und ja, ich geb es zu, ich muss jedes Mal noch ein Tränchen verdrücken, wenn ich das Meisterwerk höre.
Und wohlgemerkt - ich schreibe das nicht als Musikwissenschaftler, der ich auch gar nicht bin, sondern einfach nur als glühender Fan:)
https://www.youtube.com/watch?v=jVlOeHOugIA

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